Lachen ist gesund - aber Stress macht krank

Das Gefühlsleben von Haustieren und seine Auswirkungen auf die Gesundheit / von Tierheilpraktikerin Christine Stroop
Dieser Spruch gilt nicht nur für Menschen. Im übertragenen Sinne ist Lachen auch für Tiere gesund. Natürlich können sie nicht so lachen wie wir, aber besonders bei Hunden kann man manchmal einen entspannten, fast verzückten Gesichtsausdruck beobachten, der schon sehr an ein Lachen erinnert.
Solch eine entspannte Gemütslage kann ein Tier allerdings nur haben, wenn es optimal und seiner Art so gerecht gehalten wird. Gesunde Ernährung und geistige sowie körperliche Auslastung und Beschäftigung machen ein Tier zufrieden und glücklich.
Auch Stress kann Tiere krank machen. In einer akuten Stresssituation, z.B. bei einem Schreck oder großer Angst, reagieren die Tiere dann mit Unruhe und/oder starkem Hecheln und Herzklopfen.
Sind Tiere langfristig Stress ausgesetzt, weil z.B. in der Familie ständig Streit herrscht oder das Tier ständig überfordert wird oder weil die Haltung, wie häufig bei sogenannten Nutztieren, ungenügend ist, kommt es häufig zu Magen-Darm-Problemen, Juckreiz, Haarausfall und manchmal auch zu Verhaltensstörungen wie z.B. zu übertriebener Körperpflege. Das Tier leckt und putzt sich bis hin zum Wundlecken oder es knabbert sich und eventuell die Artgenossen an.

Einen ganz interessanten Fall hatte ich einmal in meiner Praxis im Zuge einer Verhaltensberatung.
Eine Familie holte sich einen Hütehund von einem Schäfer, weil Ihnen der Hund leid tat und die Haltung nicht so optimal war, wie es eigentlich sein sollte. Die Hündin war ca. 2 Jahre alt und hatte schon an den Schafen gearbeitet.
Einen „Arbeitshund“ zu beschäftigen und auszulasten erfordert viel Zeit und Geduld.
Natürlich gab es Eingewöhnungsschwierigkeiten, das Tier war keine Wohnung gewöhnt. Nach einiger Zeit fing es an, das Haus und die Familie zu verteidigen und Besuch anzubellen. Auf meinen Rat hin wurden einige Dinge im Alltag und im Zusammenleben mit dem Hund verändert und es begann besser zu werden. Ich vermutete schon, dass die Hündin ihre Arbeit vermisste.
Die neuen Besitzer hatten sich das Zusammenleben mit dem neuen Hausgenossen eigentlich anders vorgestellt und wollte eigentlich einen Hund, der einfach mitlief und nicht einen Hund, der eine alternative Beschäftigung fürs Hüten brauchte.
Als die Hündin begann, nicht mehr aus dem Haus gehen zu wollen, immer apathischer wurde, nicht mehr zu Spaziergängen zu überreden war und der Tierarzt keine körperliche Ursache feststellen konnte, fuhr die Familie zu dem Schäfer, von dem Sie die Hündin ursprünglich hatte, um von diesem mehr über das Vorleben des Tieres zu erfahren.
Als die Hündin die Schafherde sah, war er wie ausgewechselt und begann sofort eifrig die Schafe zu umkreisen und ihre Arbeit zu tun.
Die Hündin litt offensichtlich an einer Art Depression, weil sie ihrer Passion, dem Hüten, nicht nachgehen konnte. Da die Familie nicht in der Lage war, der Hündin einen Ersatz für das Hüten zu bieten, wurde beschlossen, einen guten Platz für sie zu suchen.
Mittlerweile lebt die Hündin in einer Einrichtung für Behinderte auf dem Lande. Dort gibt es eine kleine Schafherde, die sie hüten kann.

Schon Hahnemann war klar, dass die Rahmenbedingungen (in diesem Fall das soziale Umfeld) bei der Behandlung Kranker von großer Bedeutung sind. Werden sie nicht optimiert, können sie zum Heilungshindernis werden. Dann würde selbst das bestgewählte Mittel nicht helfen. Dieses Phänomen trifft, wie man sehen kann, nicht nur für die menschlichen Patienten zu, sondern ebenso für die Vierbeiner.