Eine schwere Entscheidung

Einschläferung bei Haustieren /
von Tierärztin Nadine Richter
Wenn man nun weiß, dass das Ende naht, ist eine homöopathische Behandlung sicher eine sanfte Möglichkeit seinen Gefährten auf dem letzten Weg zu begleiten. Aber es gibt auch Situationen, bei dem ein Ende mit Schrecken besser ist als ein Schrecken ohne Ende. So z.B. wenn das Familienmitglied verbissen am Leben festhängt und der Besitzer genau weiß, dass es einfach nicht mehr geht. Oder wenn es sehr starke Schmerzen hat, die sich kaum lindern lassen, wie z.B. bei manchen Tumorerkrankungen.
In diesen Situationen kann der Tierarzt helfen. Was aber bei jedem selbst bleibt ist, zu versuchen eine möglichst individuelle Entscheidung für das Tier zu fällen – aber auch für sich selbst. Denn manchmal kann der letzte Weg nicht einfach zu ertragen sein. Und es ist auch überhaupt nicht schlimm, wenn man nicht über seine Grenzen gehen kann. Da kann einem oft das eigene Bauchgefühl helfen. Viele Tierärzte sehen leider die Euthanasie als alleinigen möglichen Weg, da die meisten Homöopathie nur von Komplexmitteln kennen. Sie kennen auch das Tier nicht so gut, wie sein Besitzer, was auf der einen Seite helfen kann, da das Urteilsvermögen nicht so sehr von Gefühlen und Hoffnungen fehlgeleitet werden kann, aber auf der anderen Seite läuft man Gefahr subtile Hinweise nicht so ernst zu nehmen. Zum Beispiel wenn beide noch nicht für das Ende bereit sind. Aber diese Entscheidungen sind auch für Tierärzte nicht leicht und kaum einer wird diese Situationen auf die leichte
Schulter nehmen. Ich kenne auch viele Kollegen, die bei langjährigen Patienten mit geweint haben.
Wichtig ist nur: Auf keinen Fall sollte man sich zu einer Entscheidung zwingen lassen.

Was gibt es nun für Möglichkeiten?
Zum einen bieten viele Tierärzte in solch einem Fall Hausbesuche an, wenn der Besitzer dafür nicht in die Praxis kommen möchte. Für das Tier ist es mit Sicherheit angenehmer nicht nochmal transportiert zu werden, vor allem wenn die meisten sehen, wohin die Reise geht. Die meisten schlafen Zuhause viel entspannter ein und lassen sich auch durch den Tierarzt nicht mehr so erschrecken. Manche Besitzer können es auch nicht ertragen dabei zu sein und verlassen den Raum – sowohl in der Praxis als auch Zuhause. Auch das ist in Ordnung. Die meisten Tiere schätzen aber das Beisein von Herrchen oder Frauchen. Oft habe ich auch den Eindruck sie wissen, was vor sich zu gehen scheint. Vor allem wenn sie bereit sind zu gehen, geben sich viele bereitwillig der Situation hin.

Zum Ablauf ist zu sagen, dass es verschiedene Wege gibt, die Spritze zu verabreichen:
Der schnellste Weg ist es, das Mittel über die Vene zu verabreichen. Das ist auch nicht besonders schmerzhaft, man muss das Tier aber gut fixieren, was von manchen nicht so gut toleriert wird. Und vor allem für manche Besitzer kann es u.U. zu schnell gehen. Denn wenn der Tierarzt trifft, ist es oft innerhalb einer Minute vorbei. Darüber sollte man sich im Klaren sein.
Auch Möglich ist es die Spritze in die Bauchhöhle zu geben, was auch nicht mehr weh tut als eine Spritze unter die Haut, da die schmerzübertragenden Nervenenden in dieser sitzen. Das Einschlafen dauert hier allerdings länger und je nach Kreislaufsituation kann es mehr als 10 Minuten in Anspruch nehmen bis das Tier einschläft. Allerdings habe ich oft den Eindruck, dass es für das Tier schonender ist. Sie werden einfach immer müder und schlafen ein. Wenn Der Tierarzt keine Vene mehr erreicht, weil der Kreislauf zu schlecht ist, aber es trotzdem schnell gehen soll, kann er auch versuchen direkt in die Niere zu applizieren. Auch dies ist nicht schmerzhafter als unter die Haut, allerdings erreicht man die Niere nicht bei jedem Patient. Dann gelangt das Mittel in die Bauchhöhle.
Schließlich kann der Tierarzt dem Tier eine tiefe Narkose über den Muskel zu geben.
Im Allgemeinen habe ich den Eindruck, dass es für das Tier am Schonendsten ist langsam im Kreise seiner Familie einzuschlafen. Auch als Besitzer hat man eher die Chance das zu verarbeiten, was gerade passiert.

Meist ist die erste Spritze nur eine sehr tiefe Narkose und der Patient braucht noch eine weitere, damit das Herz stehen bleibt, wobei es auch Medikamente gibt, bei denen dies nicht unbedingt nötig ist. Denn die letzte Spritze wird in die Vene oder ins Herz gegeben. Dies sollte der Tierarzt aber nur machen, wenn der Patient ausreichend tief schläft, da es sonst zu Erstickung bei vollem Bewusstsein kommen kann.
Nach der Applikation der Zweiten Spritze prüft der Tierarzt noch, ob das Herz auch wirklich aufgehört hat zu schlagen.

Während des Sterbens kann es dazu kommen dass die Tiere Schnappatmung zeigen, da sich die Lunge leert. Es sieht oft nicht schön aus, aber es lässt sich leider nicht verhindern. Das Tier bekommt davon allerdings nichts mehr mit. Oder es kann noch zu letzten Muskelzuckungen kommen, da die Restenergie, die noch im Muskel ist, verbraucht wird.
Dies alles sind normale Reaktionen und man darf sich davor nicht erschrecken.

Egal für was ich mich nun entscheide, für eine homöopathische oder schulmedizinische Betreuung: Wichtig ist, dass ich mit seiner eigenen Entscheidung leben kann und es dem Tier unnötiges Leiden erspart.