Constantin Hering: Vater der Homöopathie in den USA

von HP Tanja Radigk
Constantin Hering wurde am 01. Januar 1800 in Oschatz bei Leipzig geboren. Sein Vater war Organist und Lehrer, Hering hatte noch drei Geschwister. Kurz nach Herings Geburt zog die Familie nach Zwittau (in der heutigen Tschechischen Republik) um.
Wie viele große Homöopathen, war auch Dr. Hering ein „Konvertit“: Er entwickelte sich vom Schulmediziner zum überzeugten Homöopathen.
Während seines Medizinstudiums in Leipzig begann er, ein Buch gegen die Homöopathie zu schreiben. Ein befreundeter Apotheker unterstützte ihn dabei inhaltlich und auch finanziell. Hering wollte der Homöopathie wissenschaftlich auf den Grund gehen und entschied sich, den Chinarinden-Versuch Hahnemanns selber zu wiederholen. Dass der Versuch „gelang“ (sprich: die von Hahnemann prognostizierten Wirkungen zeigte), führte allerdings zum Zerwürfnis zwischen Hering und dem Apotheker, der ihm daraufhin die Unterstützung entzog. Auch anderswo kam Herings ungeplante Entdeckung nicht gut an: seine Freunde und Studienkollegen mieden ihn und sagten, er müsse verrückt geworden sein.
Eines aber hatte er entdeckt: Hahnemanns Theorie war keineswegs Unsinn; seinen Plan, ein kritisches Buch darüber zu schreiben, verwarf Hering und begann statt dessen, Homöopathie zu studieren. Aber erst anderthalb Jahre später wandte er sich von der Schulmedizin ab und der Homöopathie zu.
In dieser Zeit verletzte er sich während einer Autopsie an einem Finger der rechten Hand. Die Wunde infizierte sich und wurde gangränös. Die Chirurgen wollten amputieren, was Hering ablehnte. Ein junger Homöopath überzeugte ihn, Arsenicum album zu nehmen. Nach drei Tagen war der Finger ausser Gefahr und Hering zutiefst von der Wirkung der Homöopathie überzeugt.
Er wurde ein entschiedener Verteidiger der Lehre Hahnemanns und versuchte, jeden zu überzeugen. Bereits während seiner Studienzeit begann er, als Homöopath zu praktizieren. Sein Bekenntnis zu Hahnemanns Lehre machte ihn an der Leipziger Universität zu einem unerwünschten Studenten und er zog es vor, sein Studium in Würzburg zu beenden. Danach kehrte er nach Sachsen zurück und nahm eine Stelle als Lehrer für Naturwissenschaften und Arzt im Blockmannschen Erziehungsinstitut in Dresden an.
Einige Monate später kam ein Verwandter aus Surinam zu Besuch. Dieser erzählte ihm von der holländischen Kolonie Surinam in Südamerika und Hering, dessen zweite Leidenschaft Naturwissenschaften waren, entschied sich, nach Surinam zu ziehen, um die Tier-und Pflanzenwelt dieses Landes zu studieren. Dabei wurde er von der deutschen Regierung und dem Direktor des Blockmannschen Institutes finanziell unterstützt.
Bald begann er neben seiner wissenschaftlichen Arbeit auch als Homöopath tätig zu werden. Die deutsche Regierung schätzte diese Aktivität nicht und versuchte Druck auszuüben, um ihn davon abzuhalten. Hering widersetze sich und gab seine Stelle auf, um sich seiner homöopathischen Praxis zu widmen. In Südamerika heiratete Hering. Seine Frau starb kurz nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes.
Während seines Aufenthalts in Surinam machte Hering mehrere Arzneiprüfungen mit neuen Substanzen, darunter waren auch Schlangen-und Spinnengifte.
1833 macht er sich auf den Weg zurück nach Deutschland. Dabei legte er einen Halt in Philadelphia ein, um Freunde zu besuchen – und blieb dann bis zu seinem Lebensende in den USA.
Er begann sehr bald, Homöopathie zu lehren und gründete in Allentown das Homeopathic Medical College of Pennsylvania. Später ging er nach Philadelphia, wo der das Hahnemann Medical College ins Leben rief. An dieser Schule unterrichtete er homöopathische Arzneimittellehre bis 1869. In Philadelphia führte Hering bald eine lebhafte Praxis. Jeden Samstagabend bis zu seinem Tod empfing er junge Ärzte und Studenten in seinem Haus und lehrte Homöopathie.
Er heiratete zum zweiten Mal. Aus dieser Ehe mit einer deutschen Frau stammen zwei Kinder, seine Frau starb aber bereits 1839. Sechs Jahre später heiratete er ein drittes Mal. Seine dritte Frau war die Tochter eines deutschen Apothekers und brachte acht Kinder zur Welt.
Hering arbeitete unermüdlich für die Verbesserung und Verbreitung der homöopathischen Arzneimittellehre. Schon als junger Mann in Deutschland prüfte er 20 Mittel. Er setzte diese Tätigkeit in Südamerika und den Vereinigten Staaten fort.
Während der Prüfung von Lachesis, einem Schlangengift, brachte er sein Leben in Gefahr. Er überlebte dieses Experiment, konnte aber bis zu seinem Lebensende keine Krawatte oder enge Kleidung am Hals ertragen – ein bekanntes Symptom des Arzneimittels Lachesis.
Der Umfang seiner wissenschaftlichen Arbeit war enorm. Neben unzähligen Artikeln publizierte er verschiedene Bücher, die heute noch zu den großen Klassikern der homöopathischen Literatur zählen. Sein größtes Werk, eine Arzneimittelehre, umfasst 10 Bände. Seine Werke werden bis heute zum Studium der Homöopathie verwendet.
Hering war außergewöhnlich intelligent und besaß einen analytischen Scharfsinn. In seinen Werken ist die minutiöse Genauigkeit des Naturwissenschaftlers und die Ausdauer und Hingabe eines Menschen erkennbar, der sein Leben der Homöopathie verschrieben hat.
Constantin Hering starb am 23. Juli 1880 an einem Herzinfarkt. Bis einige Stunden vor seinem Tod praktizierte er. Er arbeitete damals an dem 4. Band seiner großen Arzneimittellehre. Die restlichen Bände wurden aus seinen hinterlassenen Manuskripten von seinen Schülern zusammengestellt.