In die Röhre gucken

Mittelohrentzündungen und Tubenkatarrh / von Dr. med. Sybille Freund
Es gibt Kinder, die immer wieder Mittelohrentzündungen haben oder unter einem Tubenkatarrh leiden. Beim Tubenkatarrh handelt es sich um eine Entzündung der Eustach'schen Röhre. Diese Röhre verbindet den hinteren Teil der Nase und das Mittelohr. Damit das besser zu verstehen ist, habe ich mir ein Bild von Wikipedia geliehen (siehe Abbildung auf der folgenden Seite).
Nummer 12 ist die Eustach‘sche Röhre, die in den hinteren Nasenraum führt. Sie liegt so dicht am Rachen, dass sie durch den Schluckakt geöffnet wird. Ganz in ihrer Nähe liegen die Adenoide (auf diesem Bild nicht sichtbar), die die Tube verlegen können, wenn sie anschwellen. Ist die Tube verschlossen, weil der Patient vergrößerte Adenoide oder einen Schnupfen hat, kann das Mittelohr (der Raum, in den die Tube führt) nicht mehr belüftet werden. Dann entsteht dort ein Unterdruck, weil die Zellen, die das Mittelohr auskleiden, die Luft mit der Zeit aufnehmen. Dieser Unterdruck führt dazu, dass das Trommelfell (Nummer 4) nicht mehr richtig schwingen kann.
Dazu eine kleine Erklärung zur Schallübertragung: Schall wird in Form von Wellen übertragen. Ein Tonimpuls führt also dazu, dass Schallwellen entstehen, die durch die Luft übertragen werden (deshalb ist es nicht realistisch, dass Raumschiffe irgendwelche Geräusche machen, weil im luftleeren Raum keine Schallleitung möglich ist. Beim nächsten „Raumschiff Enterprise“ mal drauf achten ;-)). Die Schallwellen kommen dann am Trommelfell an und versetzen es in Schwingung. Diese Schwingungen werden an die Gehörknöchelchenkette weiter gegeben (Nr. 6/7/8), die diese Bewegungen an die Gehörschnecke (Nr. 10) weiterleiten. In der Schnecke werden die Schwingungen in elektrische Impulse umgewandelt und über Nerven zum Gehirn geleitet.

Wenn nun der Unterdruck im Mittelohr dazu führt, dass das Trommelfell nicht mehr schwingen kann, bedeutet das, dass der Schall nicht mehr vollständig übertragen werden kann. Deshalb kann es passieren, dass wir schlechter hören, wenn wir einen Schnupfen haben. Und es können seltsame Geräusche auftauchen wie Zischen und Knacken, weil sich die Eustach´sche Röhre irgendwann doch wieder öffnet, aber womöglich nicht vollständig.
Schulmediziner verordnen häufig Nasenspray beim Tubenkatarrh, damit sich die Eustach'sche Röhre wieder öffnet. Wichtig ist, wenn man Nasenspray einsetzt, dass der Patient den Kopf zurücklegt, wenn er gesprüht hat, damit das Spray nach hinten laufen kann. Denn die Eustach'sche Röhre sitzt ganz hinten in der Nase. Nasenspray kann leider auch deutliche Nebenwirkungen, wie Herzrasen und Unruhe haben, und bei längerem Gebrauch zu einer Abhängigkeit und zur Zerstörung der Nasenschleimhaut führen. Deshalb ist es für mich nur ein „Notfallmittel“.

Im ungünstigen Fall kann ein Tubenkatarrh dazu führen, dass sich im Mittelohr eine Entzündung entwickelt. Je schlechter die Belüftung ist, umso leichter geht das. Dann hätten wir es mit einer akuten Mittelohrentzündung zu tun. Besteht der Unterdruck länger und es kommt nicht zu einer akuten Mittelohrentzündung, entsteht evt. ein Paukenhöhlenerguss. In diesem Fall zieht der Unterdruck Wasser aus den Zellen heraus, dass sich im Mittelohr ansammelt. Schulmedizinisch wird dieser Zustand behandelt, indem man Röhrchen in das Trommelfell einsetzt und so wieder für eine Belüftung des Mittelohrs sorgt. Langfristige Schwerhörigkeit kann bei kleinen Kindern zu einer Verzögerung der Sprachentwicklung führen. Um Sprachstörungen vorzubeugen wird dieser Eingriff deshalb relativ häufig durchgeführt.

Wenn man sich frühzeitig darum kümmert, kann man bei Kindern, die einen Paukenhöhlenerguss haben durchaus um eine Operation herum kommen, wenn sie durch einen homöopathischen Therapeuten behandelt werden. Ebenso verhält es sich mit der Vergrößerung der Adenoide, mit akuten Mittelohrentzündungen als auch mit wiederkehrende Mittelohrentzündungen. Diese Beschwerden sind der Behandlung durch einen erfahrenen Therapeuten durchaus zugänglich.