Training für's Immunsystem

Die Bedeutung von Erkältungskrankheiten bei Kindern / von HP Patricia Wolf
Die Frage steht immer wieder im Raum: ist es ein Zeichen für eine gute Gesundheit bei meinem Kind, dass es nie besonders unter Erkältungskrankheiten leidet? Oder, wie man von anderer Seite hört, ist es vielleicht gut, wenn es Infekte durchmacht, sozusagen als Training für das Immunsystem für das spätere Alter? Und wenn das Durchmachen von Infekten gut ist, wie viele Infekte sind als gut anzusehen und ab welcher Häufung von Infekten kann man sagen, zeugt es eher von einem schwachen Organismus, den es zu behandeln gilt?
Zunächst einmal wirken Infektionen (dazu zählen Erkältungskrankheiten oder Kinderkrankheiten), die ein kleines Kind durchmacht, stimulierend auf das Immunsystem. Dieses lernt, sich mit Krankheitserregern auseinander zu setzen, so dass es beim nächsten Aufeinandertreffen schneller reagieren kann.
Man kann sich das ähnlich wie beim Sport vorstellen: möchte man es irgendwann schaffen, ein bestimmtes Gewicht heben zu können, so muss man seinen Muskel trainieren, so dass er mit immer größeren Gewichten zurecht kommt, bis man es irgendwann schafft, sein Wunschgewicht heben zu können.
Ähnlich ist es mit dem Immunsystem - es wird durch einfache Infekte trainiert und kann so dann mit größeren Infekten besser umgehen.
Bekommt jemand (insbesondere ein Kind) sehr häufig Infekte oder gleitet von einem Infekt zum nächsten, hat das nicht mehr viel mit Training des Immunsystems zu tun. Hier liegt eine Schwäche vor, die man behandeln sollte. Man kann homöopathisch die jeweiligen akuten Infekte sehr gut und schnell behandeln, aber man sollte an diese Schwäche oder auch Erkältungsneigung (wie man dazu sagt) chronisch heran gehen.
Die chronisch homöopathische Herangehensweise an eine Infektanfälligkeit gestaltet sich genauso wie die chronisch homöopathische Behandlung jeder anderen Erkrankung. Es wird eine chronische Anamnese aufgenommen, bei der alle wichtigen Informationen, die das Kind betreffen zusammengetragen werden. Dazu gehören: der Krankheitslebenslauf, die Impfungen mit den darauf folgenden Reaktionen, wie sind Schwangerschaft und Geburt verlaufen und was gab es in der Familie für Erkrankungen (und zwar nicht nur was Erkältungskrankheiten oder Krankheiten der Atemwege betrifft, sondern sämtlich Erkrankungen, die sich finden lassen). Hat man all diese Informationen zusammen, kann man die miasmatische Belastung bestimmen, die zu dieser Infektneigung führt und das passende homöopathische Mittel heraussuchen und verabreichen.
Eine chronische Behandlung bei Erkältungsneigung sollte idealerweise schon vor der Erkältungssaison beginnen, damit das Kind für die nächste kalte Jahreszeit besser vorbereitet ist.

Bekommt ein Kind (das gleiche gilt auch für Erwachsene) 1-2 mal pro Jahr einen grippalen Infekt, ist daran nichts auszusetzen. Dies sollte sogar so sein, damit – wie oben schon erwähnt – das Immunsystem im Training bleibt.
Auch vor Fieber braucht man keine Angst zu haben. Fieber ist die Heilreaktion des Körpers und somit absolut wünschenswert. Ab einer bestimmten Körpertemperatur sind viele Erreger nicht mehr überlebensfähig, daher produziert der Organismus Wärme zum Schutz. Fiebersenkende Maßnahmen, wie Wadenwickel, stören die Selbstheilungsmechanismen des Körpers und erübrigen sich mit der richtigen homöopathischen Behandlung. Sie sollten nur im äußersten Notfall eingesetzt werden.
Auch sollte nicht jede kleine Erkältung gleich behandelt werden. Man sollte es immer vom Leidensdruck abhängig machen. Wenn die Nase z.B. völlig verstopft ist, so dass keine Luft mehr zu bekommen ist, dann kann man da natürlich homöopathisch eingreifen. Aber wenn man nur einen kleinen Schnupfen hat, der – außer der laufenden Nase – einen nicht größer beeinträchtigt – sollte man ihn einfach mal von selbst vergehen lassen. Meist erledigt sich das in ein paar Tagen.

Also: gönnen Sie Ihrem Kind (und auch sich) ruhig seine 1-2 Erkältungen pro Jahr. Das stärkt sein Immunsystem für später und es tut der kleinen Seele gut. Sorgen Sie im Falle einer Erkrankung für ausreichend Flüssigkeit (ganz wichtig für die Verflüssigung des Schleims), für eine leichte Ernährung und für ein bisschen mehr Nahrung für die Seele, in dem Sie es einfach ein bisschen mehr verwöhnen als sonst. Es wird es Ihnen mit einer wunderbaren Entwicklung in Körper, Geist und Seele danken!