Alles wieder gut!?

Was ist eigentlich „Heilung“ / Eine Betrachtung aus miasmatischer Sicht von HP Nathalie Baranauskas

Wenn wir von "Heilung" sprechen, meinen wir ganz allgemein zuerst einmal, dass es uns gut geht, wir uns gut fühlen, wir keine Krankheitszeichen aufweisen.
In Wikipedia finden wir die folgende Begriffsdefinition: "Der Begriff Heilung bezeichnet den Prozess der Herstellung oder Wiederherstellung der körperlichen und seelischen Integrität aus einem Leiden oder einer Krankheit, oder die Überwindung einer Versehrtheit oder Verletzung durch Genesung."
Ein Therapeut der homöopathisch arbeitet bezieht sich an dieser Stelle gerne auch auf den Begründer der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemann, der in seinem "Handwerksbuch", dem Organen, §2 schreibt: "Das höchste Ideal der Heilung ist die schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange, auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen."
Wir können von Heilung sprechen, wenn es um eine akute Krankheit des Betroffenen geht, z.B. einen vorübergehenden grippalen Infekt, der einen zwar stark beeinträchtigen kann, aber binnen kurzer Zeit wieder verschwindet. Es soll hier jedoch weniger um akute Fälle, als um "echte" Heilung von chronischen, langwierigen Erkrankungen, die auf den Organismus einwirken, gehen. Nun stellt sich natürlich die Frage: kann man überhaupt heilen, wenn es um chronische Leiden geht? Die vorherrschende Miasmatik bei einem Menschen, kann im Grunde schon von Geburt aus dafür verantwortlich sein, dass dieser erkrankt. Auch im Laufe des Lebens kann es dazu kommen, das ein Miasma, das vielleicht zuvor noch im "Schlaf", also in der Latenz steckte, wieder geweckt, also aktiviert wird - was dann auch zu einer chronischen Erkrankung desjenigen führen kann. Die Aufgabe des miasmatisch praktizierenden Homöopathen muss also sein, dieses Miasma, das aktiv vorherrscht, zu erkennen und in Latenz zu bringen. Danach hat dieser Patient keine chronischen Beschwerden mehr, die seine Lebenskraft einschränken. Der Therapeut hat also die Aufgabe die aktiven Miasmen in Latenz zu bringen, damit sie nicht dauerhaft schädigend auf den Patienten einwirken. Es kommt dabei stark darauf an, wie stark die Miasmen bereits im Organismus verankert sind.
Ganz wichtig ist auch, nicht so zu behandeln, dass es zu einer Unterdrückung kommt. Hier würde es quasi auf der "Oberfläche" so aussehen, als sei der Patient gesund, also "geheilt", aber in Wirklichkeit wird stetig alles in den Organismus hinein getrieben und es kommt zu schwerwiegenderen organischen Leiden. Dies beschreibt Samuel Hahnemann im Organon, §79. Er sagt hier, dass es durch die Unterdrückung einer Hautkrankheit nicht zur Heilung eines Miasmas kommen kann.
Ich möchte hierzu ein Beispiel nennen: Ein Patient, der schon seit der Kindheit an immer wiederkehrenden Ekzemen leidet, wird homöopathisch behandelt. Nach einiger Zeit sind zwar die Ekzeme von der Bildfläche verschwunden, dem Patienten geht es aber Stück für Stück schlechter, er hat zwar keine sichtbaren Ekzeme mehr, aber fühlt sich körperlich oder gemütsmäßig außerordentlich schlecht. Der Vorgang müsste anders laufen, d.h. die Ausschläge können zwar nach und nach verschwinden, aber dem Patienten darf es während der chronischen Behandlung keinesfalls schlechter gehen. Zusätzlich zu seinen Hauterscheinungen können sogar noch andere Erscheinungen aufflackern, die irgendwann schon einmal vorhanden waren, z.B. können Warzen hinzukommen, die der Patient irgendwann schon einmal hatte. So unverständlich wie es erst einmal klingt, aber gerade in diesem Falle würde man den richtigen Weg der Heilung sehen. Miasmatisch gesehen spricht man also von Heilung, wenn man einzelne Symptome, die bei einem Menschen an die Oberfläche gelangen, mittels einem für den Patienten eigens auserwählten homöopathisch, chronischen Mittel behandelt, ohne dabei zu unterdrücken oder nur auf eine andere Ebene zu "verschieben". Nach homöopathischen Kenntnissen muss dies ein Arzneimittel sein, dass dem Zustand des Patienten am möglichst ähnlichsten ist. Langfristig spricht man homöopathisch gesehen also von Heilung, wenn dieser Patient mithilfe seiner eigenen Kraft, der Lebenskraft, imstande ist, sich von kleineren, akut aufkommenden Leiden zu befreien. Man spricht von Heilung, wenn das Leiden von innen nach außen seinen Weg nimmt (z.B. ein Ausschlag, der sich an der Hautoberfläche zeigt, nachdem ein inneres Leiden, z.B. eine chronische Entzündung im Körper geheilt wurde). Auch wenn Heilung von oben nach unten ihren Verlauf nimmt oder, wenn die Symptome in umgekehrter Reihenfolge ihres Auftretens erscheinen. Das bedeutet, die am längsten zurückliegenden Symptome (z.B. jene, die der Patient schon seit Kindheit an hat) verschwinden auch erst am Schluss der Behandlung und nicht zu allererst. Es geht also bei Heilung nicht in erster Linie darum, einen chronischen Schnupfen, eine chronische Entzündung oder andere chronische Leiden einfach nur "zu vernichten", sondern den Körper so umzustimmen, dass dieser ganz von alleine in der Lage ist, die Krankheit oder die "Schwäche" zu beseitigen. Mit dem passenden miasmatischen Mittel kann es möglich sein, den Körper "umzustimmen", also zu heilen.