Vom Aussterben bedrohte Medikamente

Die Arzneimittelgesetz-Novellierung gefährdet die Homöopathie / von Dr. med. Sybille Freund
Homöopathie gilt als äußerst kostengünstige Therapieform – untere anderem deshalb, weil die Arzneien, die Homöopathen verwenden, im Allgemeinen nicht mehr als 20 Euro kosten. Früher waren sie noch deutlich günstiger. Das hat sich geändert, weil es mittlerweile sehr hohe Auflagen gibt, die ein Hersteller erfüllen muss, wenn er homöopathische Arzneien produzieren und auf den Markt bringen will.
Ganz besonders schwierig ist das bei den so genannten Nosoden. Nosoden sind Arzneien, die aus Krankheitsprodukten hergestellt werden. Das hört sich zuerst abstoßend an, ist allerdings im Endeffekt nicht schlimm, weil Nosoden in so hoher Verdünnung gegeben werden, dass kein Molekül des Krankheitsmaterials mehr nachgewiesen werden kann. Dennoch wirken diese Arzneien sehr stark, wenn sie zu der derzeitigen „Situation“ des Patienten passen, und haben so ihren Stellenwert in der Therapie.
Trotz der hohen Verdünnungen müssen sich die Hersteller an Sicherheitsvorschriften halten, die eigentlich für niedrigere Verdünnungen oder für konventionelle Arzneimittel konzipiert wurden. So gelten etwa bei der Gewinnung bestimmter Nosoden die gleichen Voraussetzungen wie bei der Blutspende. D.h. ein Patient dessen „Material“ man entnimmt, muss sich auch einverstanden erklären, für verschiedene Kontrollen Blut abnehmen zu lassen. Für andere Nosoden wird entsprechend das Organspendegesetz zur Anwendung gebracht. Zudem darf der Spender nur an dieser einen Krankheit erkrankt sein und nicht an mehreren und sollte nicht vorbehandelt sein. Das Material, das gewonnen wird, muss also ganz genau definiert sein. Man kann sich vorstellen, wie schwer es ist, solche Patienten zu finden, wie auch kooperative Ärzte, die die Kontakte zu den Patienten herstellen können.
Die Krankheitsprodukte werden dann vor der Potenzierung aus Sicherheitsgründen hoch erhitzt. Das bedeutet aber, dass sie verändert werden, wodurch die bekannte Wirkung aufgehoben oder verändert werden kann.
Manche Länder in der EU verbieten Nosoden grundsätzlich, weil man dort zu wenig Erfahrung mit diesen Arzneien hat und es auch emotionale Vorbehalte gibt. Problematisch ist das für uns, weil die Gesetzgebung innerhalb der EU immer einheitlicher wird. Da Homöpathika hauptsächlich in Deutschland und Frankreich hergestellt werden, besteht die Gefahr, dass die meisten Nosoden wegfallen könnten. Diese Gefahr beschäftigt derzeit die homöopathisch arbeitenden Therapeuten.
Hinzu kommt, dass am 18.6.2009 die 15. Novelle des Arzneimittelgesetzes beschlossen wurde. Diese Novelle beinhaltet auch eine Verschärfung des Post- und Fernmeldegeheimnisses und macht es somit in Zukunft schwer, Nosoden aus dem Ausland zu bestellen. Die Hersteller in Deutschland können es sich zur Zeit aufgrund der extrem hohen Sicherheitsstandards finanziell allerdings nicht mehr leisten, Nosoden herzustellen. Man konnte die Nosoden bisher im Ausland bestellen, was nun aber nicht mehr möglich ist.
Damit wird, sobald die Vorräte aufgebraucht sind, ein großes Problem auf die Homöopathie und auf unsere Patienten zukommen, da wir sie nicht mehr ausreichend versorgen können.
Da wir nicht untätig sein, sondern diese Probleme aktiv angehen möchten, haben sich verschiedene Zusammenschlüsse gebildet, die sich für den Erhalt der komplementärmedizinischen Arzneien einsetzen.
Ein Bündnis, das sich aus BKHD (Bund Klassischer Homöopathen Deutschlands e.V.), DZVhÄ (Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V.) und VKHD (Verband klassischer Homöopathen Deutschlands e.V.) zusammengesetzt hat, ist die AEHA (Anwenderbündnis zum Erhalt homöopathischer Arzneimittel).
Unter folgendem Link finden Sie weitere Informationen zu dem Thema: www.aeha-buendnis.de

Falls Sie selbst aktiv werden möchten, bieten wir zu Ihrer Information einen Flyer des „Bündnis für Selbstbestimmung in der Medizin“ auf unserer Homepage zum Download an (ein Klick hier bringt Sie direkt dorthin). Dieses Bündnis besteht aus verschiedenen Organisationen, die Laien und Therapeuten vertreten. Sie können dann im Vorfeld der anstehenden Wahlen an Abgeordnete in Ihrem Wahlkreis und an Gesundheitspolitiker in Berlin schreiben. Auch ein Musterschreiben und eine Adressliste können Sie hier herunterladen.
Damit unterstützt jeder Einzelne von Ihnen unseren großen Schatz homöopathischer Arzneien und somit auch den Erhalt der Homöopathie selbst.