Ist Wasser Leben?

„Viel trinken ist gesund“ – populär, aber nicht unbedingt richtig / Von Heilpraktikerin Nathalie Baranauskas
Im Grunde steht diesem Satze nichts im Wege - das heißt: fast nichts. Der menschliche Körper besteht zwar vorwiegend aus Wasser, was aber noch lange nicht heißt, dass er sich dieses in wirklich rauen Menge einverleiben sollte. Und das ist ernst zu nehmen.
Es ist wohl wahr, dass der menschliche Körper für seine Stoffwechselprozesse Flüssigkeit benötigt – und dies natürlich auch rund um die Uhr. Das heißt, sobald unserem Körper die Zufuhr nicht mehr ausreicht, wird sie ihm schlichtweg entzogen. Folgen die daraus entstehen können sind z.B. Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche usw. Am besten ist es demnach also über den Tag verteilt genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Bei jemandem der sich viel bewegt, wie z. B. Sportler wird der Bedarf automatisch höher, denn die Flüssigkeit geht durch starkes Schwitzen ja vermehrt verloren. Wie sieht es jedoch bei einem ganz gewöhnlichen Tagesablauf aus – wie steht es hier mit der benötigten Flüssigkeitsmenge? Mit Flüssigkeit meint man in erster Linie natürlich reines Wasser. Da unser Körper nicht mit einem Wasserspeicher ausgestattet ist, bringt es auch gar nichts, auf Teufel komm raus, auf einmal richtig viel zu trinken. Im Gegenteil, dies kann in Extremfällen – etwa bei Marathonläufern – sogar zum Tod führen. Dazu muss man wissen, dass unser Darm nur so viel Flüssigkeit aufnehmen kann, wie die Niere verarbeiten kann. Dieser Vorgang aber – um bei dem Beispiel mit dem Marathonläufer zu bleiben – funktioniert bei starker körperlicher Anstrengung nicht mehr. Wird dann trotzdem übermäßig getrunken, kann es zu einer so genannten Hyponatriämie („Wasservergiftung“) kommen. Der Elektrolythaushalt des Körpers gerät durcheinander, weil zu wenig Natrium vorhanden ist.
Wenn man nämlich zu viel trinkt, gelangt das Wasser in die Blutgefäße. Dadurch wird das Blut verdünnt, die Natriumkonzentration sinkt. Werden die Adern zu prall gefüllt, strömt Wasser in das umliegende Gewebe und kann sich auch im Gehirn einlagern. Schwindel, Schwächeanfälle und Muskelkrämpfe sind die Folgen – die gleichen Symptome wie sie Sportler zeigen, wenn sie zu wenig getrunken haben.

Bei allen anderen, die sich nicht so verausgaben, gilt die Regel ca. 1,5 bis max. 2 Liter Flüssigkeit in Form von Wasser oder Tee zu sich zu nehmen. Leider wird immer wieder davon berichtet, man solle bis zu 3 oder gar 4 l am Tag trinken. Dies ist definitiv zu viel! Mal ganz davon abgesehen, dass es ja durch vermehrtes Trinken auch zu vermehrtem Ausscheiden von Flüssigkeit kommt und somit auch wichtige Nährstoffe, die der Körper benötigt, verloren gehen können. Nach dem Motto: des einen Leid, des anderen Freud. Trinkt man nämlich über das benötigte Maß hinaus, lagert sich auch beim „Otto-Normalverbraucher“ ein Zuviel gerne im Gewebe oder in Organen ein. Im Einzelnen bedeutet dies für den Körper eine zu hohe Belastung für Magen, Darm aber auch für den Blutkreislauf, weil die gesamte getrunkene Menge aus dem Darm ins Blut aufgenommen wird. Dies bedeutet demnach auch, dass diese Menge durch unser Herz fließt. Insbesondere für Menschen mit einer Herzschwäche kann das eine große Belastung darstellen. Bei Stuhlverstopfung wird ebenso gerne dazu geraten, doch einfach mehr zu trinken. Im Grunde kein schlechter Ansatz, aber nicht immer von Erfolg gekrönt! Obwohl es viele Menschen gibt, die dies gleich in die Tat umsetzen, kann man nicht sagen, dass sie danach von ihrer Verstopfung befreit wären. Bei manchen kann man nämlich beobachten, dass es ihnen sogar noch schlechter geht, da sie mit der erhöhten Flüssigkeitsaufnahme im Körper eine größere Belastung tragen müssen. Hier zeigt sich dann wieder, wie wichtig es ist, neben einer ausführlichen Anamnese den Fall auch unbedingt miasmatisch auf zu rollen. Neben der Ursachenerkennung gilt für den Therapeuten immer auch an den miasmatischen Hintergrund des Patienten zu denken. Ferner kann dann eine Stuhlverstopfung für den Homöopathen doch auch einfach nur ein Hinweis auf ein spezifisches homöopathisches Mittel sein, das genau diese Person benötigt, um sein Leiden los zu werden. Hier nur die Stuhlverstopfung des Patienten behandeln zu wollen, wäre eine rein symptomatische Therapie. Alles andere als eine sinnvolle homöopathische Therapie. Im schlimmsten Falle könnte es sogar eine Unterdrückung des vorherrschenden Miasmas mit all ihren Folgen mit sich bringen.