Zu Risiken und Nebenwirkungen...

...von Beipackzetteln / von Dr. med. Sybille Freund
Sie kommen vom Homöopathen, haben ein Rezept in der Hand und holen Ihre verordnete Arznei aus der Apotheke ab. Leider haben Sie die Dosierung vergessen und wissen nicht, wie Sie das Medikament einnehmen sollen. Was tun? Da gibt es ja nun seit 2001 Beipackzettel in homöopathischen Arzneien. Auf dem stehen auch Dosierungsanleitungen - Bis hierher und nicht weiter!
Leider hat der Gesetzgeber, der einen Beipackzettel seit 2001 vorschreibt, vergessen, dass Homöopathie so nicht funktioniert. Ich möchte versuchen, Ihnen das zu erklären.
Verordne ich einem Patienten z.B. eine Arznei für eine chronische Erkrankung, fange ich häufig mit 2 Tropfen einer Potenz zweimal wöchentlich an.
Drei kurze Geschichten dazu:
Eine Patientin ging in die Apotheke und holte ihre Arznei ab. Sie fragte die Apothekerin, wie oft sie das Mittel denn nehmen solle. Diese warf daraufhin einen Blick in den Beipackzettel und sagte: „Nehmen Sie drei mal täglich 10 Tropfen“. Glücklicherweise rief mich die Patientin nach diesem Erlebnis an, weil ihr das seltsam vorkam und ich konnte die Dosierungsanweisung korrigieren. Wie sich nämlich eine zu hohe Dosierung auswirken kann, zeigte sich in folgendem Fall:
Eine Patientin mit Neurodermitis stellte sich bei mir vor. Ich verordnete ein Mittel der Potenz XYZ zwei mal wöchentlich zwei Tropfen und bat sie, wie immer, um Rückmeldung falls Probleme auftreten. Zwei Wochen später rief sie mich an, sie halte es nicht mehr aus. Sie habe Nachtschweiße, die Haut sei überall offen, sie könne nicht mehr arbeiten. Daraufhin empfahl ich ihr eine Dosierung, die viele Patienten erst einmal verunsichert. Sie sollte einen Tropfen der Arznei in einem Glas Wasser mit einem Plastiklöffel verrühren. Das Wasser wegschütten. Das Glas erneut füllen, verrühren, wegschütten. Neu füllen, verrühren, wegschütten. Das ganze bitte 6-7 mal. Der Clou an der Sache ist, dass immer Tropfen im Glas übrig bleiben, die ihre Information an das neu eingefüllte Wasser abgeben. Durch dieses Verfahren wird eine starke Verdünnung erreicht. Die Patientin folgte meinem Rat. Die Haut heilte ab, bis heute trat seit 7 Jahren kein Schub mehr auf. Hier sieht man, wie empfindlich manche Patienten schon auf zwei Tropfen pro Woche reagieren können. Was wäre erst passiert, hätte sie drei mal täglich 10 Tropfen eingenommen?
Andererseits erlebte ich gerade vor kurzem wieder mal folgenden Fall: Ein Patient hatte Probleme mit seinem Fuß, den er vor 30 Jahren verletzt hat. Immer wieder hatte er, auch ohne Belastung, Schmerzen beim Gehen. Wir starteten die Behandlung mit der Potenz XYZ zwei mal pro Woche 2 Tropfen. Zwei Wochen später rief er an und sagte, das Mittel wirke hervorragend, aber nach zwei Tagen seien die Schmerzen wieder da und er erwarte sehnsüchtig den Tag, an dem er sein Mittel wieder nehmen „dürfe“. Darauf empfahl ich ihm, das Mittel alle zwei Tage zu nehmen, aber immer wieder zu versuchen, die Einnahme hinauszuzögern. Mittlerweile - nach 2 Monaten – braucht er das Mittel nur noch alle 2 Woche.
Eine Verordnung muss also IMMER individuell erfolgen. Meine häufig Verordnung von 2 Tropfen XYZ 2 mal proWoche verlasse ich auch immer wieder mal, wenn ich schon während der Anamnese erkenne, dass der Patient eine andere Dosierung braucht.
Bei akuten Erkrankungen muss man wieder anders dosieren. Deshalb die Bitte:
Zu Dosierungen und Einnahmevorschriften homöopathischer Arnzeien fragen Sie bitte Ihren Therapeuten und lesen Sie NICHT den Beipackzettel!