Die magische Kugel

Globuli, die verschiedenen Potenzen und ihre Verwendung / von Tierheilpraktikerin Christine Stroop
Ist das passende homöopathische Mittel für Mensch oder Tier gefunden, muss noch der Grad der Verdünnung, die passende Potenz, die Häufigkeit der Einnahme und die Darreichungsform gewählt werden. Das hängt von vielen Faktoren wie z. B. der Art der Erkrankung, dem Alter des Patienten, der Vitalität, der Empfindlichkeit, der Vorbehandlung, den Umweltbedingungen u.s.w. ab.
Durch die Gabe homöopathischer Mittel löst man eine so genannte ähnliche Kunstkrankheit aus. Das Mittel führt zu Symptomen, die dem derzeitigen Krankheitszustand entsprechen, wodurch die Krankheit „gelöscht“, also geheilt wird. Damit eine natürliche Krankheit durch eine ähnliche Kunstkrankheit gelöscht werden kann, muss die Arzneienergie unwesentlich größer sein als die Krankheitsenergie. Ist die Arzneienergie zu groß, ist die Wirkung zu stark. Es kann zu einer Erstverschlimmerung kommen. Die Erstverschlimmerung vergeht in der Regel nach einigen Minuten bis Stunden und ist ein gutes Zeichen, zeigt sie doch, dass die Mittelwahl richtig war. Hat z. B. ein Tier einen heftig juckenden Hautausschlag, wird es sich bei einer Erstverschlimmerung um so heftiger kratzen. Durch eine behutsame Dosierung lassen sich solche Reaktionen allerdings häufig vermeiden.
Aus diesem Grund muss jede Gabe dem erkrankten Menschen oder Tier sowie dem Krankheitszustand angepasst werden. Soviel wie nötig, so wenig wie möglich.
Das bedeutet in der Regel, dass man zwei Kügelchen oder einen Tropfen der passenden Arznei gibt und abwartet. Bei Bedarf wird das Mittel wiederholt und bei einer Besserung der Symptome wird die Einnahme sofort gestoppt.
Je nachdem wie akut und heftig oder chronisch ein Zustand ist, kann eine Mittelgabe von „ alle 10 Minuten“ bis „einmal im Monat“ oder noch seltener nötig sein. Nimmt man das Mittel zu häufig oder trotz Besserung weiter, besteht die Gefahr, dass der Patient eine Arzneimittelprüfung
macht. Das bedeutet, dass er Symptome entwickelt, die mit dem Mittel eigentlich behandelt werden sollen.
Im Gegensatz zu den akuten Erkrankungen, bei denen sich die Wirkung des Mittels sehr schnell verbraucht, kann in chronischen Fällen die einmalige Gabe von zwei Kügelchen eines Mittels bis zu einigen Monaten wirken.
LM-Potenzen werden nur in flüssiger Form benutzt. Sie können häufiger verabreicht werden. Vor jeder Einnahme ist das Fläschchen 10x zu schütteln, so verändert sich immer geringfügig die Potenzhöhe und es kommt auch bei häufiger Einnahme nicht zu unerwünschten Symptomen. Die LM-Potenzen führen in der Regel nicht zu einer Erstverschlimmerung wie sie von D- und C-Potenzen bekannt ist.
Möchte man in akuten Fällen auch die D- oder C-Potenzen häufiger einnehmen, kann man 2 Kügelchen in einem Glas Wasser auflösen und vor jeder Einnahme mit einem Plastiklöffel verquirlen. Auf diese Weise ist eine häufigere Einnahme gefahrlos möglich.
Für alle Potenzen und Darreichungsformen gilt: bei Besserung wird sofort mit der Einnahme aufgehört und abgewartet, ob die Besserung anhält. Es ist nicht nötig, das Mittel zu wiederholen oder noch einige Tage weiter einzugeben, wenn die Beschwerden verschwunden sind.
Für Tiere können die Globuli oder Tropfen z.B. auf einem Leckerchen verabreicht werden oder mit wenig Wasser oder Milch verdünnt zum Trinken angeboten werden. Man kann auch mit einer kleinen Spritze (ohne Nadel!) die aufgelösten Globuli in das Maul eingeben.
Bönninghausen, ein großer Homöopath zu Hahnemanns Zeiten, verabreichte Tieren die Mittel in Wasser aufgelöst. Er löste 2 Kügelchen in so viel Wasser wie es von dem jeweiligen Tier auf einmal aufgenommen wurde. Das war bei einem Hund zum Beispiel eine halbe bis eine ganze Tasse Wasser, bei einem Pferd etwa ein halber Liter.