Nicht mit Rezept!

Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbehandlung / von Dr. med. Sybille Freund
Wenn Sie den Text auf Seite 1 (Anm.: „Alles ganz easy?“ von HP Tanja Radigk) nicht gelesen haben, sondern hier anfangen, gehen Sie bitte zurück auf Start, lesen Sie und beginnen Sie hier erneut. Ich möchte den vorangegangenen Artikel nämlich gerne aufgreifen.
Die Selbstbehandlung kann in der Tat zu einem großen Problem werden, insbesondere, wenn nach dem Küchenrezept einer Zeitschrift o.ä, verfahren wird. In meiner Praxis hatte ich z.B. eine Patientin, die durch langfristige Einnahme einer Arznei in tiefer Potenz (D6) aus einem weichen großen Myom ein steinhartes großes Myom machte, weil sie von einer Arznei ein halbes Jahr lang jeden Tag 2 Kügelchen nahm. Jeder Therapeut kann von ähnlichen Erfahrungen berichten. Noch schlimmer ist es, wenn bei einer homöopathischen Therapie eine Heilreaktion auftritt – z.B. ein langwieriger Schnupfen -, der durch „homöopathische Mittelchen“ „gut in den Griff bekommen wurde.“ In diesem Fall kann unter Umständen die homöopathische Kur derart gestört werden, dass man als Therapeut Schwierigkeiten haben kann, den Patienten wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.
Was ist aber, wenn man bei einer akuten Erkrankung seinen Therapeuten nicht erreicht? ...wenn man im Ausland ist und sich selbst helfen muss?...wenn nachts das Kind Ohrenschmerzen bekommt? Da kann man nur antworten: Die Selbstbehandlung mit homöopathischen Arzneien soll gar nicht unterbunden werden. Sie soll aber mit Sinn und Verstand erfolgen! Wenn Laien sich informieren und sich ein Grundwissen an Homöopathie angeeignet haben, wenn sie annähernd wissen, was Miasmen sind, was Heilreaktionen sind, wenn sie einen Leitfaden haben, wie sie mit Potenzen umgehen können, dann ist die Selbstbehandlung nicht rundweg abzulehnen.
Die verantwortungsbewusste Selbstbehandlung von Laie wird ernst genommen. Das zeigt auch die Aktion der AEHA (Anwenderbündnis zum Erhalt homöopathischer Arzneimittel), die durch BKHD, Bund Klassischer Homöopathen Deutschlands e.V., DZVhÄ, Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V., VKHD, Verband klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. unterstützt wird. Die AEHA hat ein Positionspapier erarbeitet, in dem sie dazu aufruft, dass Personen, Zeitschriften, Apotheken o.ä., die über Selbstbehandlung informieren, die Komplexität und die Grenzen homöopathischer Grenzen kennen, anerkennen und differenziert informieren. Diesem Papier sollen sich möglichst viele Gruppierungen anschließen, damit der verantwortungsbewusste Umgang mit der Laienhomöopathie insgesamt gestärkt wird und weder die Patienten noch die Homöopathie Schaden nehmen.
Wenn Sie sich selbst behandeln möchten, können wir folgendes Buch empfehlen:
Homöopathie - so heile ich mich selbst: Mit Diagnosepfaden von Heike Kovacs und Roger Rissel, Blv Buchverlag, ISBN-10: 3835403109

Dr. med. Sybille Freund ist Vorsitzende der DGMH.