Altersweisheit

Geriatrie und Miasmatik / von HP Tanja Radigk

„Die Geriatrie beschreibt die Lehre der Krankheiten des alten Menschen. Diese Altersheilkunde betrifft besonders die innere Medizin, aber auch die Psychiatrie.“ So steht es im Pschryrembel, einem klinischen Wörterbuch.
In der homöopathischen Praxis hat man meist mit allen Altersgruppen zu tun und nur wenige Praxen haben sich auf eine Patientengruppe spezialisiert. Die meisten meiner Kollegen arbeiten mit Patienten im Alter von 0 bis 99 Jahren und müssen sich entsprechend auf Krankheiten unterschiedlicher Altersgruppen einstellen. Das erfordert ein großes Wissen quer durch alle Themenbereiche, von Entwicklungsstörungen bei Kleinkindern bis hin zum Altersdiabetes reicht die Palette der Krankheiten.
Meine Kollegin Frau Stalljann hat dies getan und kann auf langjährige Erfahrung in der Behandlung alter Menschen zurück blicken. In ihrem Artikel (s. hier) gibt sie einen interessanten Einblick in ihre Praxis.

In der Geriatrie haben wir Homöopathen es mit dem Endergebnis eines chronischen Miasmas zu tun. Wir nennen das einseitige Erkrankungen. Die alten Patienten kommen mit einer oder auch mehreren einseitigen Erkrankungen in die Praxis, d.h. sie haben Diabetes, Bluthochdruck, Rheuma und einen Herzfehler. Die Liste der Krankheiten ist sehr unterschiedlich und unterschiedlich umfangreich.
Hahnemann beschreibt im Organon in den Paragraphen 172-184 die einseitigen Krankheiten. Er beschreibt hier schwere Pathologien und deren Auswirkungen auf den Patienten.
Je stärker sich die Pathologie einer Krankheit entwickelt, desto geringer werden die individuellen Symptome des Patienten. So findet man dann z.B. nur noch typische Beschwerden des Diabetes oder des Bluthochdrucks und wenige allgemeine und für den Patienten spezielle Symptome.
Der Schulmediziner verordnet hier für jede Krankheit ein Medikament. Für den Diabetes, für den Blutdruck, für die hohen Gichtwerte und so weiter.
Der Homöopath versucht an dieser Stelle für die Gesamtheit des Falles ein Mittel zu verordnen. Die Totalität des Falles muss erfasst werden, um den Patienten behandeln zu können.
Bei der Verordnung müssen wir besonders nach den erkrankten Organen schauen.
Wenn wir einen Diabetes behandeln wollen, muss die verordnete Arznei eine Wirkung auf die Bauchspeicheldrüse haben, sonst wird der Behandlungserfolg eingeschränkt.
So gibt es viele Mittel für Diabetes, Mittel die eine gute Wirkung auf das Herz oder die Leber haben.
Häufig begegnen wir auch Krankheiten, die durch die Medikamente selber entstanden sind. Man nennt sie iatrogene Krankheiten oder Arzneikrankheiten. Auch hier muss individuell behandelt (würde ich sagen, weil man ja auch evt. absetzt) werden.
In der Geriatrie haben wir es leider oft mit schweren Fällen zu tun, die unsere volle Aufmerksamkeit benötigen. Das Miasma, welches seit Jahren auf den Menschen einwirkt und ihm schwere Leiden zugefügt hat, ist meist sehr weit fortgeschritten.
In der miasmatischen Behandlung versuchen wir mit antimiasmatischen Mitteln die tiefe Veranlagung des Menschen umzustimmen oder zu beruhigen, so dass Gesundung oder Linderung möglich sind. Bei alten Menschen gelingt uns das häufig nicht mehr so vollständig und wir können oft nur noch lindern und nicht mehr heilen.
So können wir trotzdem das Herz stärken und einen erhöhten Blutdruck senken oder Schmerzen lindern. Oft ist die Pathologie schon recht weit vorangeschritten und wir müssen uns mit diesen kleineren Behandlungserfolgen zu frieden geben. Aber auch hier hat die Homöopathie ihren Platz.