Endlich erwachsen!

Krankheiten bei ausgewachsenen Tieren / von Tier-HP Christine Stroop

Sind unsere Tiere erwachsen geworden geht es in der Regel nicht mehr ganz so turbulent zu. Geburt, Aufzucht und Kinderkrankheiten sind überstanden. Der Alltag ist eingespielt, Regeln aufgestellt und Mensch und Haustier haben einen gemeinsamen Rhythmus entwickelt.
Jedoch auch im Erwachsenenalter sind unsere Haustiere vor Krankheiten nicht gefeit. In der Regel sucht ja der Mensch für die Tiere den Partner aus uns so kommt es zu Verpaarungen die nicht immer ohne gesundheitliche Folgen bleiben. Für verschieden Rassen gibt es sogenannte Rassestandarts die Aussehen und Größe bestimmen. Darauf hin werden die Elterntiere ausgesucht. Der Nachwuchs soll diesem Standard so stark wie möglich entsprechen.
Dies schränkt häufig die genetische Vielfalt ein. Häufig sind die Tiere miteinander verwandt und durch Paarung von verwandten Tieren ist die genetische Information in beiden Chromosomensätzen gleich und dadurch sind weniger unterschiedliche Gene vorhanden sind
In der Natur kommen Verpaarungen unter verwandten Tieren so gut wie nie vor. Verwandte Tiere paaren sich instinktiv nicht, da sonst bei den Nachkommen die Gefahr besieht, dass die Vitalität und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten eingeschränkt ist.
Auch Vorerkrankungen der Elterntiere bleiben bei den Nachkommen nicht ohne Folgen. So weis ein miasmatisch arbeitender Homöopath nur zu gut, dass die Erkrankungen der Vorfahren in den Nachfahren weiterbestehen, wenn sich ihr Erscheinungsbild verändern kann.
Für den Tierhomöopathen ist es in der Regel schwierig etwas über die Vorerkrankungen der Elterntiere zu erfahren und eine „Familienanamnese“ durchzuführen. Die aktuelle Erkrankung und die bisherige Krankengeschichte der zu behandelnden Tiere weisen jedoch häufig den Weg und lassen Rückschlüsse auf hereditäre und erworbene Miasmen zu.
Nicht zu vergessen die rassespezifischen Erkrankungen. Hierbei handelt es sich um Erkrankungen die bei einer bestimmten Rasse häufiger anzutreffen sind als bei anderen Vertretern der Art.
Bei Zwergrassen unserer Haustiere sind häufig massive Probleme bei den Zahnwechseln und durch das enge Becken häufig Geburtsprobleme zu beobachten. Bei den Kleinhunderassen sehen wir häufig Missbildungen im Knie- und Hüftgelenk oder missgebildete Knorpelstützringe der Luftröhre.
Kurznasige Rassen von Hunden und Katzen haben Atembeschwerden und häufig Erkrankungen des Rachen- und Kehlkopfes. Atemnot kann auch durch das häufig zu groß ausgebildete Gaumensegel entstehen. Beim z.B. Mops muss häufig durch eine Operation das Gaumensegel verkürzt werden.
Große Hunderassen leiden unter Missbildungen der Hüft- und Ellenbogengelenke, sind anfällig für Bandscheibenvorfälle und Herzfehler. Allseits bekannt ist die HD-Neigung der Schäferhunde oder die Neigung zu Herzerkrankungen bei Doggen und Irish Wolfshunden. Hunde und Katzen die rein weiß gezüchtet werden bezahlen die weiße Pigmentierung manchmal mit dem Verlust des Hörvermögens und werden taub geboren.
Auch die iatrogenen Krankheiten sehe ich häufig in meiner Praxis. Impfungen, Wurmkuren, Spot on Präparate, Hormone, Antibiotika und Cortison gehören meist von der Geburt an zum Leben unserer Haustiere und können Spuren hinterlassen. So können z.B. Allergien, Angstzustände oder Hauterkrankungen aller Art Symptome einer erworbenen oder hereditären iatrogen Krankheit sein.
Nahrungsergänzungen und Vitaminpräparate sind für den Menschen schon lange in Mode und erobern nun auch die Heimtierindustrie. Ein Vitaminchen hier und eines da. Die fettlöslichen Vitamine ADE können sich im Körper anlagern und zu Erkrankungen wie z.B. Haarausfall, Entwicklungsstörungen, Gewebeverkalkung oder Steinbildung führen. Über die so moderne künstliche Vitaminzufuhr durch Vitaminpräparate beim Menschen fanden Kopenhagener Wissenschaftler 2007 in einer Metastudie mit insgesammt 200 000 Probanden heraus das viel nicht unbedingt viel hilft. Die antioxidativen Vitamine ACE und Beta Karotin, die sogenannte freie Radikale abfangen sollen haben eine Auswirkung auf die Sterblichkeit. Bei Vitamin A war sie um 16 Prozent erhöht, bei Vitamin E um vier Prozent, Beta Karotin erhöhte die Sterblichkeit um sieben Prozent. Bei Vitamin C wurde kein Effekt festgestellt, auch kein positiver. Die Effekte der Antioxidantien waren früher nur im Reagenzglas untersucht worden und es gab keine Studien wie die Vitamine im menschlichen Körper wirken. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass einige der untersuchten Vitamine den Angriff der freien Radikale auf die Zellen unterstützen können, statt sie abzufangen. Dies könnte sogar dazu führen, dass auch Krebszellen ungehindert wachsen.
Eine Extraportion Calcium für die Knochen, wen wundert nach jahrelanger Einnahme ein „Verkalkung“ und im Futter müssen feine Kräuter sein wie z.B. Beinwell. Wer mag liest mal die Arzneimittelbilder von Calcium carbonicum oder Symphytum (Beinwell). Da wundert es nicht, wenn sich nach geraumer Zeit hier und da Mittelsymptome zeigen. Was ein Mittel heilen kann, dass kann es auch hervorrufen, man muss es nur lange genug einnehmen und auch ohne Potenzierung gibt es eine schöne (unfreiwillige) Arzneimittelprüfung. So hat auch das Erwachsen sein seine Tücken und die Homöopathie Globuli für alle Felle.