Scheinschwangerschaften bei Hunden

Scheinschwangerschaften sind natürliche Vorgänge im Tierreich / von Tierheilpraktikerin Christine Stroop
Unfruchtbarkeit kommt auch im Tierreich gelegentlich vor und zeigt uns, dass hier ähnlich wie beim Menschen auch, die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Bei Wildtieren, die sich Ihren Partner frei wählen können, kann es am geringen Nahrungsangebot liegen oder weil eben gerade kein (genetisch) passender Partner zur Verfügung steht.
Bei Tieren vom Züchter wählt der Mensch die Partner aus und legt Wert auf ein bestimmtes Aussehen oder bestimmte Eigenschaften. Passt die Genetik nicht, kann es vorkommen, dass es zu keiner Trächtigkeit kommt. Manchmal kommt es sogar vor, dass die ausgewählten Tiere nicht bereit sind, sich überhaupt zu verpaaren.
Im Großtierbereich ist die künstliche Befruchtung mittlerweile Normalität, im Kleintierbereich wird zwangsverpaart. Nachwuchs ist bei Tieren von privaten Tierhaltern meist nicht erwünscht und die Halter achten in der Regel darauf, dass es zu keiner Paarung kommt. Wird eine Hündin während ihrer Hitze nicht gedeckt, kommt es im Anschluss zu einer Scheinschwangerschaft. Die Hündin verhält sich so, als wäre sie gedeckt worden.

Die Symptome der Scheinschwangerschaft sind unterschiedlich stark ausgeprägt und manchmal fast gar nicht zu bemerken. Es handelt sich hierbei nicht um ein krankhaftes Geschehen, sondern um einen ganz natürlichen Vorgang. Im Wolfs- oder Wildhundrudel fungieren nicht gedeckte Hündinnen als Amme und kümmern sich mit um die Welpen der Leithündin. So haben die Welpen auch bei Krankheit oder Tod der Mutter größere Überlebenschancen.
Auch bei unseren Haushunden ist dieses Verhalten noch vorhanden. Scheinschwangerschaft ist auch noch bei Rindern und bei Nagetieren beobachtet worden.
Beim Hund sind die ersten mehr oder weniger ausgeprägten Symptome meist 4-6 Wochen nach Ende der Hitze zu erkennen. Die Brustdrüsen können anschwellen, die Hündin kann aggressiv gegen Artgenossen und ihrer Umwelt werden und sie kann unmotiviert und lustlos wirken. Bei einem Fall in meiner Praxis war das Aggressionsverhalten so heftig, dass die Hündin, sobald sie das Haus zum Spaziergang verließ alles und jeden zu attackieren versuchte. Gegen Ende der imaginären Trächtigkeit, zum Zeitpunkt der Geburt, die normalerweise zwischen dem 60-63Tag stattfindet, kann es zu Nestbauverhalten kommen, die Milchleiste kann richtige Milch oder ein wässriges, bräunliches Sekret absondern, die Hündin fängt an Spielzeug oder andere Dinge in ihrem Nest zu bemuttern und zu verteidigen.
Da die Scheinschwangerschaft keine Krankheit ist, bedarf es bei gering ausgeprägten Symptomen keiner Behandlung, sondern nur eines gewissen Verständnisses des Tierhalters für die veränderte Gemütslage seines Tieres und einiger Verhaltensregeln für den Tierhalter.