Panik in der Praxis

Homöopathische Behandlung psychischer Störungen / von Dr. med. Sybille Freund
Um einen genaueren Eindruck zu bekommen, wie psychische Störungen entstehen können, möchte ich Ihnen einen Fall vorstellen. Es geht um eine junge Frau, die im Alter von 15 Jahren zunehmend Panikattacken entwickelte. In dieser Zeit kam einiges zusammen: Die Regel setzte ein und sie bekam Pickel im Gesicht, auf dem Rücken und an den Armen. Die Pickel behandelte sie mit verschiedenen Cremes und Sauerstoffbehandlung. Sie verschwanden. Ganz langsam stellten sich erste psychische Symptome ein. In der Schule wurde sie ohnmächtig, hatte Schwächeanfälle, die Leistung ließ nach. Alle medizinischen Befunde waren in Ordnung. In dieser Zeit konnte sie sich immer wieder stabilisieren. Jahrelang hatte sie aber regelmäßg plötzliche Angstzustände mit Schwindel, Atemnot und Herzrasen. Sie vertraute sich niemandem an, was recht typisch für solche Beschwerden ist. Nach zwei Schwangerschaften steigerte sich die Problematik. Sie konnte nicht mehr einkaufen, Auto fahren, alleine unterwegs sein. Sie hatte das Gefühl, dass Räume, in denen sie sich befand kippten, oder Regale auf sie stürzten. Zu dieser Zeit wandte sie sich an eine Homöopathin. Diese stellte unter anderem fest, dass die Beschwerden in hormonellen Umstellungsphasen schlimmer wurden und dass sie mit der Unterdrückung der Akne in der Pubertät begonnen hatte. Die Haut war zur Zeit der Panikattacken rein gewesen. Die Patientin erhielt ein passendes homöopathisches Mittel. Daraufhin milderten sich die Panikattacken langsam ab. Zusätzlich zu dem Mittel, das die körpereigenen „Regulationsmechanismen“ wieder in Gang bringen sollte und somit tief greifend wirkte, bekam sie ein Mittel, das sie einnahm, wenn sie Panik hatte. Bei der ersten Einnahme des Mittels für den akuten Panikanfall reagierte sie mit Frösteln und Schwäche. Sie ruhte sich aus. Die Panikspitze war weg. Diese Reaktion auf das Akutmittel nennt man auch „Erstverschlimmerung“. Sie spielt sich meist eher im körperlichen Bereich ab, während die Psyche sich schnell bessert. So konnte es die Patientin aushalten. Das tief greifende Mittel nahm sie über zwei Jahre und das Akutmittel bei Panik. Die Anfälle wurden seltener und schwächer. Sehr interessant war, dass die Pickel, die im Alter von 15 Jahren unterdrückt wurden, nun mit 28 Jahren wieder hervorkamen. Die Patientin hatte gelernt, dass sie diese Hauterscheinung auf keinen Fall wieder unterdrücken durfte. Mittlerweile ist sie 38 Jahre alt, voll berufstätig und frei von Ängsten. Weder das tief greifende noch das Akutmittel müssen wieder genommen werden. Die Pickel sind ganz allmählich mit der Therapie verschwunden. Wichtig war in diesem Fall allerdings zusätzlich, dass die Patientin sich immer wieder ihren Ängsten stellte und kämpfte. Die Angstgefühle lassen unter dem passenden homöopathischen Mittel zwar langsam nach, wenn aber ein Mensch in bestimmten Situationen immer Angst hat, lernt er, diese zu meiden. So muss er erst wieder begreifen, dass die Situation nun nicht mehr das Gefühl auslöst, das er erwartet. Deshalb ist die Mitarbeit und die Aktivität des Patienten auch unter homöopathischer Therapie sehr wichtig.