Impfen lassen? Oder: Impfen: lassen!?

von Tier-HP Christine Stroop

Über das Thema Impfungen könnte man ein Buch nach dem anderen schreiben und in der Tat gibt es eine Vielzahl von Büchern über den Sinn und Unsinn von Impfungen.
Auch in vergangenen Newslettern haben wir dieses Thema immer mal wieder angeschnitten, meist im Zusammenhang mit aktuellen Themen wie der Grippeimpfung und natürlich während der Diskussion um die Schweingrippe.
Die Entscheidung, ob und was geimpft wird, sollte jeder Tierhalter sorgfältig abwägen und dann entscheiden.
Bei unseren Haustieren ist es seit Jahrzehnten gang und gäbe, einmal jährlich gegen mehrere Infektionskrankheiten zu impfen. Die meisten Tierärzte bieten Ihren Patienten sogar einen Erinnerungsservice, damit sie die jährliche Nachimpfung nicht verpassen. Da kommt dann eine Postkarte der Tierarztpraxis und erinnert den Tierbesitzer an die anstehende Impfung. Bei den meisten Tierbesitzern regt sich sofort das schlechte Gewissen.
Die Nachimpf-Empfehlungen sind jedoch willkürlich und sind nie wissenschaftlich belegt worden. Die Tierärzte berufen sich auf die Empfehlungen im Beipackzettel der Hersteller. Die meisten Impfstoffe wirken jedoch viel länger.
Es gibt mittlerweile in Deutschland einige Impfstoffe am Markt, in deren Beipackzettel mehrere Jahre Wirkungsdauer angegeben sind. Auch diese Angaben sind willkürlich. Es gibt erst wenige Studien über die Wirkdauer bei Impfungen und diese zeigen, dass die Schutzwirkungen mehrere Jahre andauern.
Auch hört der Impfschutz nicht plötzlich einfach auf.
Warum soll man ein Tier jährlich mit Viruslebendimpfstoffen in Kontakt bringen und durch die jährlich in der Impfung enthaltenden Zusatzstoffe Komplikationen in Kauf nehmen, wenn die Dauer des Impfschutzes gar nicht wissenschaftlich belegt ist und nach jetzigen Erkenntnissen mehrere Jahre anhält?
Mittlerweile hat auch der „Bundesverband Praktizierender Tierärzte“ eine neue „Impfempfehlungen für die Kleintierpraxis“ herausgegeben. Gegen Katzenseuche z.B. soll alle drei Jahre, gegen Katzenschnupfen alle zwei Jahre nachgeimpft werden.
Für Staupe, Hepatitis und Pavovirose beim Hund soll ein Intervall von alle drei Jahren ausreichend sein.
Leptospirose und Zwingerhusten werden z.B. in den USA gar nicht mehr empfohlen, in Deutschland vom „Bundesverband Praktizierender Tierärzte“ für Hunde mit Ansteckungsrisiko bei Leptospirose jährlich oder häufiger je nach Ansteckungsrisiko und für Zwingerhusten bei Bedarf je nach Ansteckungsrisiko.
Ein besonders kritisches Thema ist die Tollwutimpfung. Zwar ist Deutschland seit 2008 tollwutfrei, besteht aber auch nur ein Verdacht, ein Tier könnte Kontakt mit einem tollwutkranken Tier gehabt haben, und es gibt keinen Nachweis über einen gültigen Impfschutz, hat dies schwere Folgen für das betroffene Tier. Da es ein gesetzliches Behandlungsverbot für tollwutverdächtige oder tollwütige Tiere gibt, werden die verdächtigen Tiere getötet.
Auch Tollwut musste früher jährlich nachgeimpft werden, um einen gültigen Impfschutz zu haben. Im Jahr 2005 wurde die Tollwutverordnung dahingehend geändert, dass die Häufigkeit der Nachimpfung laut Beipackzettel zu erfolgen hat. Fast alle Haustiertollwutimpfstoffe sind für drei Jahre zugelassen. Die Dreijahresimpfung wird in der gesamten EU und einigen weiteren Ländern anerkannt (EU-Verordnung 998/2003 zu grenzüberschreitenden Reisen mit Haustieren).
Also: bei der nächsten Postkarte vom Tierarzt nicht gleich ein schlechtes Gewissen bekommen!