Homöopathisch impfen?

Eine Alternative, die keine ist / von Dr. med. Sybille Freund

Sie möchten ins Ausland fahren und sich nicht impfen lassen? Kein Problem, sagen manche Leute: Impf Dich doch homöopathisch! Nimm einfach dieses oder jenes Mittel, wenn Du in eine Gegend reist, wo es z.B. Gelbfieber gibt, oder nimm dies und das, wenn Du Dich gegen Malaria schützen willst. Dann bist Du doch gefeit!
Pustekuchen! Vor diesem Vorgehen kann nur gewarnt werden! Der erste Grundsatz der Homöopathie lautet „Ähnliches mit Ähnlichem behandeln“, das bedeutet, dass etwas vorhanden sein muss, dem die Arznei ähnlich sein kann. Ohne Symptome und ohne Beschwerden wissen wir nicht, welche Arznei wir geben müssen. Deshalb ist es auch nicht möglich prophylaktisch zu behandeln.
Aus meiner Sicht gilt diese Haltung nicht nur für Impfungen, sondern auch für andere Situationen, in denen homöopathisch prophylaktisch gedacht wird. So empfehlen manche Menschen, dass man nach Antibiotikaeinnahme bestimmte Arzneien nehmen solle, um zu „entgiften“. Die Überlegung der „Entgiftung“ stammt noch aus der Säftelehre, die auf Hippokrates und Galen zurückzuführen ist und mindestens bis zu Hahnemanns Zeit noch großen Einfluss auf das Denken der Therapeuten hatte. Es ging darum, den Körper von schädigenden Säften zu befreien. Diese Art des Denkens hat also lange Tradition. Nur: der Körper kann u.a. mit seiner Leber extrem gut entgiften, das ist Aufgabe der Leber und funktioniert normalerweise auch sehr gut. So kommt es, dass die meisten Antibiotikagaben durchaus gut vertragen werden. Der Körper ist meistens in der Lage sein Gleichgewicht wieder zu finden (dennoch sollte man natürlich so selten wie möglich Antibiotika einnehmen). Nur in wenigen Fällen bleiben nach Antibiotikagaben Beschwerden, die auf das Antibiotikum zurück zu führen sind, wie z.B. Durchfälle. Der ordentlich arbeitende Homöopath nimmt in diesem Fall die Symptome des Patienten auf und behandelt dann, um den Körper wieder in´s Gleichgewicht zu bringen. Wenn aber keine Symptome bleiben, kann man davon ausgehen, dass der Körper selbst zurecht kommt und sollte nicht eingreifen. Schlimmstenfalls kann man nämlich eine unangenehme Arzneimittelprüfung durchmachen.
Das gleiche gilt auch für Ad-hoc-Therapie von möglichen Impfschäden. Einige Menschen empfehlen, man solle doch vor oder nach einer Impfung einfach eine bestimmte Arznei nehmen und dann passiere nichts. Dieses Vorgehen entspricht dem Vorgehen, das ich oben beschrieben habe und bietet keinerlei Sicherheit. Treten tatsächlich Probleme nach einer Impfung auf, sollte man die Symptome aufnehmen und eine passende Arznei finden. In unserem Arzneischatz gibt es viele Arzneien, die man für unerwünschte Folgen von Impfungen einsetzen kann.
Es kommt aber, gerade beim Impfen, noch eine Problematik hinzu: Eltern (und Therapeuten) können sich leider zum Thema Impfungen nicht wirklich umfassend informieren, weil es kein valides Zahlenmaterial und keine guten Studien sowie viele offene Fragen gibt. Sie brauchen eine Möglichkeit um sich quasi von ihrem „schlechten Gewissen“ frei machen, wenn sie impfen obwohl sie wissen, dass Impfungen evt. schaden können. Sie geraten in eine Zwickmühle. Jeder, der impft, sollte sich dieses Zwickmühlenproblems bewusst sein und bitte keine „Gewissenlösung“ in der Homöopathie suchen, denn die ist dort nicht zu finden.