Clemens von Bönninghausen: Vom Jurist zum ersten Heilpraktiker in Deutschland

von Dr. med. Sybille Freund

Dr. jur. Dr. med. Clemens Franz Maria von Bönninghausen, geboren 1785, war ein Schüler Hahnemanns. Er war 30 Jahre jünger als Hahnemann und dennoch von Hahnemann so sehr anerkannt, dass dieser über Bönninghausen schrieb: „Er hat meine homöopathische Heillehre so gründlich studiert, dass er als ein vollkommner homöopathischer Heilkünstler ein so vollkommenes Vertrauen verdient, dass, wäre ich selbst krank und könnte mir nicht helfen, ich mich keinem Arzte in der Welt, ausser ihm, anvertrauen würde.“
Ursprünglich hatte von Bönninghausen Jura studiert, besuchte aber auch naturwissenschaftliche und medizinische Vorlesungen. Sein Interesse galt also von Beginn seiner Ausbildung an auch dem Bereich, dem er sich später zuwenden sollte. Zudem kam er aus einem landwirtschaftlichen Betrieb und beschäftigte sich dadurch schon von Anfang an mit Botanik. Mit Botanik muss sich jeder Homöopath in gewissem Maße auskennen, weil viele Arzneistoffe aus Pflanzen hergestellt werden. So hatte von Bönninghausen also schon eine gute Grundlage für seine spätere Arbeit als Homöopath. Zuerst arbeitete er aber als Jurist am Obergericht zu Deventer und später am holländischen Hof unter König Louis Napoleon. Erst als dieser abdankte, zog sich von Bönninghausen auf das väterliche Gut zurück und widmete sich weiterhin der Botanik.
Dann kam ein Schicksalsschlag: von Bönninghausen erkrankte an Tuberkulose und starb fast daran. Er verdankte sein Leben dem Homöopathen Dr. August Weihe, der ihn mit Pulsatilla und Sulfur heilte. Nebenbei: Weihe ist uns heute noch von den Weihe‘schen Druckpunkten bekannt.
Daraufhin lernte von Bönninghausen selbst Homöopathie bei Hahnemann und schloss seine Ausbildung mit dem oben erwähnten Lob Hahnemanns ab.
Von Bönninghausen war übrigens der erste Heilpraktiker Deutschlands. Da er keine medizinische Ausbildung hatte, beantragte er nach Hahnemanns Tod bei König Friedrich Wilhelm IV eine Genehmigung zur Ausübung des Arztberufes ohne medizinisches Fachstudium. Elf Jahre später erhielt er aus Amerika zusätzlich den medizinischen Doktorgrad zum juristischen hinzu.
Er war mit Sicherheit ein ebenso arbeitsamer Mensch wie Hahnemann und hat sehr viel für die Homöopathie geleistet. 268 Schriften sind von ihm verfasst, einige Pflanzen nach ihm benannt, zudem hat er auch ein Tierkrankenjournal verfasst. Auf dem Land musste ein Homöopath häufig auch die Tiere der Bauern und Gutsbesitzer behandeln. Er stellte außerdem fest, dass Impfungen langfristige Probleme machen können und schrieb Hahnemann, der Impfungen für gut befand, diesbezüglich einige Briefe.
Dass von Bönninghausen seinen eigenen Kopf hatte, den er wohl auch gerne durchsetzte, zeigt eine interessante Begebenheit, die ich Ihnen zum Schluss noch erzählen möchte:
Von Bönninghausen lebte außerhalb von Darup und fuhr am Wochenende gerne in den dortigen adeligen Billiardklub. Die Stadttore waren aber leider so häufig geschlossen, dass er entweder nicht zur gewünschten Zeit in die Stadt hinein oder aus ihr heraus kommen konnte. Das störte ihn so sehr, dass er beschloss eine Stadtwohnung mit privatem Stadttor zu bauen. Sein Bauplan wurde allerdings nicht anerkannt. Also legte er kurzerhand innerhalb von 2 Jahren in Berlin sein Baumeisterexamen ab, reichte den Plan erneut ein und bekam sein Stadttor.
Diese Geschichte über von Bönninghausen ist mir noch sehr gut im Gedächtnis, seit ich vor mehr als 10 Jahren an der Clemens-von-Boenninghausen-Akademie in Wolfsburg Homöopathie gelernt habe. Diese Akademie lehrt Homöopathie, egal ob man Heilpraktiker, Arzt oder Laie ist und ist benannte nach von Bönninghausen, weil dieser als Laie Homöopathie lernte und später ein großer homöopathisch arbeitender Heilpraktiker mit Doktortitel wurde. Ein Umstand, der mein Denken heute noch prägt und auch in der DGMH hoch gehalten wird. Wir möchten, dass sich Menschen mit der Homöopathie beschäftigen, egal ob Laien oder Therapeuten, egal ob Heilpraktiker oder Ärzte. Insofern hat von Bönninghausen nicht nur die Homöopathie weiterentwickelt und durch seine Schriften verbreitet, sondern er wirkt durch sein Leben bis in unsere Zeit hinein.
(Quelle: Vorlesung von Lukas Bruhin über die „Geschichte der Homöopathie im deutschsprachigen Raum“, 1998)