Der Globulator ist Realität!

Apotheken setzen auf "Billig-Homöopathie" / von Dr. med. Sybille Freund
Der Globulator ist Realität!
Kaum zu glauben: vor einem Jahr als Aprilscherz in unserem Newsletter, gibt es jetzt tatsächlich den Globulator! Naja, fast. Im Internet finden sich neuerdings Apotheken, die homöopathische Arzneien verkaufen – je nach Beschwerden. Was so praktisch und einfach klingt, birgt leider einige Tücken.
Hat man z.B. Kopfschmerzen, könnte man auf die Arznei Nux vomica stoßen. Wenn sich ein Laie, der sich mit Homöopathie so gut wie nicht beschäftigt hat, diese Arznei kauft und einnimmt, kann es ihm passieren, dass er plötzlich neue oder heftigere Beschwerden bekommt als er vorher hatte. Warum? Dazu muss man wissen, wie die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien festgestellt wird. Damit man weiß, in welchem Fall welche Arznei gegeben werden kann, muss zuerst eine Arzneimittelprüfung durchgeführt werden. Hierfür wird einem Versuchskandidaten, der möglichst gesund ist, eine Substanz über längere Zeit verabreicht. Die Symptome, die er entwickelt, werden aufgeschrieben. Dieser Versuch wird mit möglichst vielen Personen durchgeführt. Meist kristallisieren sich dann mehrere deutliche Symptome heraus, die von verschiedenen Personen dokumentiert werden.
Hat ein Patient Beschwerden, die mit möglichst vielen dieser dokumentierten Symptome übereinstimmen, kann man ihm die geprüfte Substanz als Arznei geben.
Ein Beispiel: Testet man Nux vomica, werden viele Prüflinge Übelkeit und Sodbrennen sowie Völlegefühle haben. Einige haben zusätzlich eine auffällige Reizbarkeit, andere Blähungen und Koliken, wieder andere haben Kopfschmerzen, die mit Schwindel einhergehen. Sie können Licht, Geräusche und Gerüche nicht ertragen etc.
Hat ein Patient nun Kopfschmerzen und kauft sich einfach Nux vomica in der Online-Apotheke, so kann er unter Umständen seine Kopfschmerzen behalten und zusätzlich Sodbrennen, Völlegefühle, Schwindel, Reizbarkeit etc. entwickeln.

Sie sehen schon an diesem Beispiel, dass es mit der homöopathischen Verschreibung leider nicht so einfach ist, wie man es gerne hätte. Selbst uns Therapeuten kann es schon mal schwer fallen, die richtige Arznei zu finden, obwohl wir uns tagein tagaus mit Homöopathie befassen. Der Therapeut erkennt allerdings, ob ein Patient in eine Arzneimittelprüfung gerät und plötzlich Symptome des Mittels entwickelt oder ob „der Fall“ sich in die falsche Richtung entwickelt und kann eingreifen. Der Laie wird durch diese Verläufe vollkommen verwirrt, geht irgendwann zu seinem Hausarzt oder Therapeuten, schildert ihm die Beschwerden und nun ist es auch für den Therapeuten schwer herauszufinden, woher die Symptome kommen.
Aus diesen Gründen raten wir im Umgang mit Online-Apotheken bezüglich homöopathischer Arzneien zu ganz großer Vorsicht. Investieren Sie ihr Geld lieber in Bücher, die Sie über die Hintergründe der Homöopathie informieren. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn ein Laie, der sich relativ intensiv mit Homöopathie beschäftigt hat, sich im Notfall auch mal selbst behandelt, er muss aber unbedingt die Grenzen kennen, damit er nachher nicht mehr Beschwerden hat als vorher.
Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang:
Gerhard Risch: Homöopathik - Die Lehrmethode Hahnemanns, Pflaum-Verlag , ISBN 3-7905-0787-3