Heilen statt Unterdrücken

Die Gefahr der Unterdrückung von Krankheiten aus homöopathischer Sicht
In jedem Organismus gibt es eine innewohnende Lebenskraft. Diese Lebenskraft ist für die Steuerung des Organismus zuständig; dafür, dass alles richtig funktioniert.
Erkrankt der Organismus, ist die Lebenskraft gestört. Diese Störung wird durch Krankheitssymptome sichtbar. Die Lebenskraft ist immer bestrebt, die lebenswichtigen Teile des Organismus zu schützen. Dafür treibt sie die Krankheit an möglichst periphere, unwichtige Stellen des Organismus. Damit beschwichtigt die Lebenskraft die Krankheit, so dass sie im Inneren keinen Schaden anrichten kann. Dies geschieht z.B. über Hautausschläge oder Schleimhautabsonderungen. Diese äußeren Erscheinungen dienen dem erkrankten Organismus als „Sicherheitsventil“.
Nimmt man ihm dieses Ventil, sucht sich die Lebenskraft ein neues an anderer Stelle. Ist sie zu schwach, um die Krankheit wieder nach außen zu bringen, verlagert sich die Krankheit nach innen. Man sieht dies z.B. oft bei Neurodermitis, bei der es nach „erfolgreicher“ Salbenbehandlung später zu asthmatischen Beschwerden kommen kann, oder bei Schuppenflechte, bei der in der Folge Gelenkbeschwerden auftreten können.
Um solche Unterdrückungen zu vermeiden, behandelt die Homöopathie ausschließlich von innen. Die äußerlich sichtbaren Symptome sind ein wichtiges Zeichen für den Therapeuten. Denn solange sie sichtbar sind, weiß er: die Krankheit besteht im Inneren weiter. Sie ist also noch nicht geheilt – die homöopathische Behandlung muss weiterhin erfolgen.

Erst wenn die äußerlichen Symptome im Laufe einer homöopathischen Therapie verschwinden, ist auch ihre Ursache – die innere Krankheit – geheilt.
D.h. nimmt man diesen äußeren Anzeiger durch Herausschneiden oder „Wegsalben“ schon vorher weg, sieht man nicht mehr, ob die innere Krankheit noch da ist und man setzt das homöopathische Mittel zu früh ab. Daher wird bei der klassischen Homöopathie ausschließlich von innen behandelt; dem Organismus wird von innen der richtige Reiz gegeben und es wird nicht von außen unterdrückt.
Doch Vorsicht: Auch mit homöopathischen Mitteln kann man unterdrücken! Wenn man die genauen Regeln einer homöopathischen Verschreibung nicht befolgt oder sie nicht genau bekannt sind oder wenn man zu kleine, amiasmatische Mittel – d.h. Mittel, die keinen Einfluss auf ein Miasma haben – benutzt, können Krankheiten unterdrückt werden. Es gibt homöopathische Mittel, die zwar die gleichen Symptome wie eine Erkrankung aufweisen mögen, aber nicht die Kraft haben, weit in die Tiefe zu dringen. So erreichen sie nicht das Miasma, welches für die Erkrankung verantwortlich ist.
Man muss also die Arzneien und auch ihre Wirkungstiefe genau kennen.
Die Behandlung solcher Störungen gehört immer in die Hände eines erfahrenen Homöopathen. Er kennt sich mit den Regeln der homöopathischen Verschreibung und der Wirkungstiefe und Grenzen der einzelnen homöopathischen Mitteln gut genug aus, um eine Unterdrückung von Krankheiten zu vermeiden.