Homöopathie im Test

Zum Bericht in der aktuellen Ausgabe von „Stiftung Warentest“ / von HP Tanja Radigk
Das neueste Heft von Stiftung Warentest macht die Wirksamkeit der Homöopathie zum Thema. Schon im Titel „Hinweise ja, Beweise nein“ klingen die Zweifel an der Wirksamkeit der Methode an.
Die von Stiftung Warentest angeführten wissenschaftlichen Studien legen, so meinen die Autoren, den Schluss nahe, dass die homöopathischen Mittel eher einen Placeboeffekt als eine echte therapeutische Wirkung auslösten. Dies gelte, so der Tenor von Stiftung Warentest, auch bei der Behandlung von Tieren, Kindern und in der Geburtshilfe.
Auf diesen Feldern kann die Homöopathie aber viele gut dokumentierte Heilungsfälle vorweisen und längst nicht alles lässt sich auf Placebo-Effekte abschieben, ist unsere Erfahrung.
In den Studien wurde auch festgestellt, dass die zu beobachtenden Effekte homöopathischer Behandlungen umso geringer waren, je wissenschaftlicher ein Studienaufbau war. Das mag zunächst gegen die Homöopathie sprechen, klingt aber eigentlich für alle Homöopathen logisch. Ich möchte erklären, warum:
Die Homöopathie bezieht sich auf die Gesamtheit des Menschen. Hier werden alle Symptome und Beschwerden des Einzelnen beachtet und nicht nur Teilbereiche behandelt. Das wäre aus homöopathischer Sicht falsch. Der ganze Mensch ist krank und nicht nur die Leber, der Kopf oder der Magen.
Im homöopathischen Verständnis ist die Behandlung von Kopfschmerzen sehr individuell.
Es gibt viele Gründe für Kopfschmerzen. Manche entstehen durch Verletzungen, durch Kummer, durch geistige Überlastung und viele Gründe mehr. Auch die Veranlagung (Miasmatik) spielt hier eine Rolle.
Wenn nun diese verschiedenen Patienten mit ihren unterschiedlichen Kopfschmerzursachen und individuellen Symptomen, in den wissenschaftlichen Studien völlig unterschiedliche Ergebnisse liefern – wundert sich bestimmt keiner meiner klassisch homöopathisch arbeitenden Kollegen darüber. Das ist ganz normal: es handelt sich um unterschiedliche „Erkrankungen“.
Stiftung Warentest betrachtet hier einzelne Krankheitsbilder und die Möglichkeit ihrer homöopathischen Behandlung. Leider ist das nicht so einfach zu lösen wie eine Rechenaufgabe. Der Mensch in seiner einmaligen individuellen Gesamtheit, ist nicht einfach zu berechnen.
In der Homöopathie werden Patienten nicht nach Krankheitsbildern und Behandlungsmöglichkeiten eingeteilt. Es geht immer um das gesamte Krankheitsbild eines Patienten. Somit wirkt ein Mittel in einem Fall und im anderen Fall nicht – und das spricht nicht gegen die prinzipielle Wirksamkeit des Mittels. Es ist eben nur nicht das Mittel gegen die Kopfschmerzen an sich.
Das zeigt eine gewisse Komplexität der Homöopathie, der die Fallstudien mit all ihrer Statistik nicht gerecht werden.
Mit herkömmlichen statistischen Methoden kann man, denke ich, dem Phänomen Homöopathie nicht gerecht werden. Für ihre ganzheitliche Sichtweise und Behandlungsmethode ist da nicht genug Platz.
Die Homöopathen sehen ihre Patienten aber ganzheitlich. Wir sehen nicht nur Krankheitsbilder, bei denen sich die homöopathische Behandlung lohnt oder nicht.
Unser Blick auf die Patienten ist nicht statistisch geleitet.
Der Tipp von Stiftung Warentest an den Verbraucher lautet: nur erprobte Therapien, die einen Wirksamkeitsnachweis für sich in Anspruch nehmen können, sollten gewählt werden.
Der Verbraucher sollte nur Geld für Mittel ausgeben, die therapeutisch wirksam sind.
Das kann ich aus meiner Sicht nur bestätigen und würde mir wünschen, dass diese Nachweise von Wirksamkeiten und die methodischen Herangehensweise dabei überdacht werden. Die Andersartigkeit der Homöopathie braucht eine ihr entsprechende, anders angelegte Forschung. Verdient hätte sie es, wie die vielen dokumentierten Erfolge zeigen.