Tierisch pubertär...

Tiere im „Teenager-Alter“ / von Tierheilpraktikerin Christine Stroop
Unter Pubertät versteht man nicht nur die Geschlechtsreife eines Lebewesens im Sinne von Fortpflanzungsfähigkeit erlangen, sondern auch den Verlauf der Entwicklung, in der es zu einem ausgewachsenen Körper und zu geistiger Reife kommt. Dieses „erwachsen werden“ ist ein komplizierter Prozess, an dem viele Faktoren Anteil haben. Die Geschlechtsreife ist nur ein Teil der Pubertät. Die Pubertät beginnt, indem die Hirnanhangdrüse ein hormonelles Signal an den Körper sendet, in bestimmten Organen verstärkt Geschlechtshormone herzustellen und ins Blut auszuschütten. Bei männlichen Säugetieren ist dies hauptsächlich Testosteron, bei weiblichen Säugetieren Östrogen. Aber auch das Schilddrüsenhormon Thyroxin hat einen erheblichen Anteil an der Geschlechtsreifung.
Es kommt während dieser Zeit zu einer deutlich erhöhten Konzentration von Testosteron und Östrogen. Dies führt zum endgültigen Übergang vom „Kind“ zum „fortpflanzungsfähigen Erwachsenen“, zur Ausreifung des Körpers und ganz am Ende dieses Prozesses auch zur geistigen Reife.
Die geistige Reife ist erst einige Zeit nach der körperlichen Reife abgeschlossen.
Die weiblichen Säugetiere bilden in sich befruchtungsfähige Eizellen und bei den männlichen Tieren zeugungsfähige Spermien. Heute weiß man, dass der Beginn und der Verlauf der Pubertät genetisch gesteuert wird. Die Pubertätsgene KiSS1 uns KiSS1R sollen bei diesem Prozess von Bedeutung sein.
Wann ein Säugetier in die Pubertät kommt und wann es geschlechtsreif wird und in der Lage ist sich fortzupflanzen und wann die geistige Reife hat, hängt von Art und Rasse ab.
Weibliche Katzen werden in der Regel um den 5.-7. Monat, je nach Rasse auch später, rollig. Zwergkaninchen sind häufig schon um die 12. Woche fortpflanzungsfähig. Bei Hunden tritt die erste Hitze zwischen dem 7. und 9. Monat ein. Kleine Rassen früher, große Rassen häufig auch später, gelegentlich erst im Alter von über 12 Monaten.
Männliche Tiere fangen mit dem Beginn der Geschlechtsreife häufig an zu markieren und Ihr Revier und Ihren „Besitz“ mit Urinmarken zu versehen. Hunde heben dann beim Urinieren in der Regel das Bein. Achtung auch: bevor sich dieses Verhalten zeigt, können die männlichen Tiere schon in der Lage sein zeugungsfähige Spermien zu bilden und ein paarungsbereites Weibchen zu decken.
Auch das Verhalten erfährt eine Veränderung. Die sogenannte Sturm-und-Drang-Phase beginnt.
Beim Menschen wissen wir alle wie „anstrengend“ pubertierende Teenager sein können. Bei unseren Haustieren nehmen wir das vorzugsweise bei den Tieren am stärksten wahr, die am engsten mit uns zusammen leben.
Hunde, die bisher schon recht gut erzogen waren, hören überhaupt nicht mehr. Es kommt zu rüpelhaftem Verhalten bis hin zu Raufereien mit Artgenossen. Katzen, die Freigang haben, fangen an ihr Revier zu verteidigen und kommen mit Blessuren nach Hause. Für den Halter ist nun „Nerven behalten und cool bleiben“ angesagt. Die meisten Tiere wollen nun eigenständig auf Nahrungs- und Partnersuche zu gehen und werden unabhängiger. Das alles ist bei Tieren in unserer Obhut natürlich nicht in dem Maße möglich wie in der Natur und so sind Konflikte vorprogrammiert. Bei Arten, die in Hierarchien leben, werden die pubertierenden Sprösslinge im Rang eingeordnet, was nicht immer ohne Konflikte läuft.
Beim Menschen haben Forscher herausgefunden, dass sich in der Pubertät im Gehirn viele vorhandene neuronale Verknüpfungen einfach auflösen und sich neue bilden. Auch wurde ein Hormon entdeckt, das für solch unkontrolliertes pubertäres Verhalten verantwortlich sein soll. Fakt ist, das Gehirn verändert sich während der Pubertät enorm. Dies scheint für alle Säugetiere zu gelten. Diese Veränderungen haben auch unkonzentriertes Verhalten und Lernschwierigkeiten zur Folge. Dies scheint für alle Säugetiere zu gelten.
Es gibt Versuche von Sheryl Smith von der State University New York mit Mäusen, die zeigen, dass mit Beginn der Pubertät im Hippocampus Nervensignale schlechter übertragen werden.
Es bilden sich im Hippocampus vermehrt Rezeptoren, die die Lernleistung bremsen. Ein Botenstoff stört zusätzlich die Weiterleitung von Nervenimpulsen. Als Folge der Gehirnveränderungen schnitten pubertierende Mäuse in Lerntests schlechter ab als vorpubertäre Artgenossen.
Das Hormon welches beim Mensch für die pubertären Angst- und Unruhezustände verantwortlich gemacht wird, heißt Allopregnanolon. Im Fachblatt „Nature Neuroscience“, veröffentlichen Neurobiologen um Hui Sheng, dass der Stoff Allopregnanolon in pubertären Mäusen eine besonders starke Angst und Unruhe auslöst.
In der freien Natur sind Tiere vielen Bedrohungen ausgesetzt. So scheint in dieser Phase die verstärkte Angst das Überleben zu sichern und den selbständiger werdenden Tieren zu helfen., denn alles Neue könnte gefährlich sein. Die pubertäre Sturm-und-Drang-Phase, auch die der Menschen könnte demnach ein evolutionäres Überbleibsel sein, welches durchaus Sinn macht, auch wenn es in unserer heutigen Umwelt ziemlich unbequem ist.
Spannenderweise bewirkt das Hormon Allopregnanolon bei erwachsenen Menschen genau das Gegenteil.
Auch bei Tierversuchen zeigte sich vor oder nach der Pubertät genau dieser Effekt.
Es ist natürlich klar, dass es bei solch komplizierten Vorgängen dazu kommen kann, dass manche Reaktionen überschießen und nicht im Normbereich verlaufen. Die Geschlechtsreife kann zu früh oder zu spät einsetzen. Es kann damit verbunden zu verschiedenen Erkrankungen kommen. Z.B. kann die erste Hitze zu stark oder zu lange andauern. Die Verhaltensveränderungen können im extrem bis zur Verhaltensstörung führen. Sollte dies der Fall sein, kann das richtige homöopathische Mittel die hormonellen Vorgänge wieder ins Lot bringen und dadurch nicht nur die körperlichen Folgen, sondern auch die Verhaltensveränderungen regulieren.
Bei normalen Verlauf gilt in dieser Entwicklungsphase souverän bleiben. Erwachsen werden, ob nun bei Mensch oder Tier, heißt sich entwickeln, in Konfrontation gehen, Erfahrungen sammeln und sich ablösen. Dies ist ein notwendiger Prozess auf dem Weg zum Erwachsen werden, auch wenn es von der Umwelt viel Verständnis und Geduld fordert. Meinen Tierbesitzern, besonders den Hundehaltern, gebe ich immer ein „Ich bin ein Fels“ mit auf den Weg:-)