Die Zeit heilt alle Wunden!?

Die Reaktionszeit bei homöopathischer Behandlung / von HP Tanja Radigk

„Wie lange wird das denn dauern?“
Solche oder ähnliche Fragen sind Alltag in einer homöopathischen Praxis. Die Patienten wollen schnell wieder gesund werden und fragen den Therapeuten nach der Geschwindigkeit des Heilungsverlaufes.
Aber so leicht kann man das leider nicht
beantworten.
Ob es sich um ein akutes oder um ein chronisches Leiden handelt, ist dann schon sehr entscheidend. Jede wirkliche akute Erkrankung, wird auch (mit dem richtigen Mittel) schnell wieder abklingen. Das richtige Mittel kann schnell und schlagartig wirken und innerhalb von wenigen Stunden zu einer Verbesserung führen. Handelt es sich um eine schwere akute Krankheit, so wird auch hier der Organismus ein wenig länger brauchen um sich wieder zu regenerieren. Mit dem homöopathischen Heilmittel wird ein Prozess in Gang gebracht und dieser läuft – je nach Reaktionslage des Körpers.
In chronischen Fällen braucht man natürlich auch länger bis sich der Organismus wieder vollständig stabilisiert hat.
Auch die homöopathischen Mittel haben ihre eigene Geschwindigkeit. So wirkt z.B. Aconitum (der Sturmhut) schnell und meist innerhalb von 24 Stunden. Andere Mittel, wie Silicea brauchen manchmal einige Tage bis sie ihre Wirkung voll entfalten.
Hier gibt es auch Unterschiede zwischen pflanzlichen (schneller) und mineralischen (tiefer und langsamer) Mitteln. Aber auch das ist sehr individuell.
Auch in der Wirkungsdauer gibt es Unterschiede. So wirken manche Mittel nur drei Tage und andere wieder viele Wochen lang. Der Homöopath weiß, wann er das Mittel wiederholen muss oder ob seine Wirkung noch anhält (neben anderen wichtigen Faktoren zur Beurteilung des Fallverlaufes).
Wenn Patienten mit einer schweren Schilddrüsenstörung oder mit einer langjährigen Sterilität in die Praxis kommen, dann reagiert der Organismus ebenfalls individuell schneller oder langsamer auf das Mittel. Man kann hier nicht sagen "In drei Monaten ist das alles wieder gut!" oder "Wir brauchen bestimmt zwei Jahre." Der Körper reagiert so schnell und so gut er kann.
Wenn sich viele verschiedene Pathologien aufgebaut haben und den Patienten schon viele Jahre begleiten, wird man ihn nur Schritt für Schritt in eine bessere Gesundheit begleiten. Alles hängt von der Reaktionsfähigkeit des Körpers ab.
Bei sehr schwachen oder alten Patienten braucht man oft Geduld, ebenso bei Patienten, die schon lange schwere Medikamente für ihre Leiden einnehmen und deswegen langsamer reagieren.
Bei einer Sterilität z. B. muss man schon den einen oder andere Zyklus abwarten und beobachten, was sich und wie schnell verändert. Die langjährige Schilddrüsenstörung wird auch die Zeit in Anspruch nehmen, die sie zur Heilung braucht.
Man kann mit homöopathischen Mitteln schnell, sanft und sicher (laut Hahnemann) heilen. Wenn das richtige Mittel gegeben wurde (das wäre Voraussetzung), dann sind auch bei langjährigen Fällen klare Verbesserungen schnell möglich.
Leider gibt es bei diesem Thema keine klare, einheitliche Aussage. Alles ist individuell und von Mittel, Patient, Krankheit, der Reaktionsfähigkeit des Körpers und zusätzlichen Therapien abhängig.
Heilungsversprechen sind immer unseriös, aber ein offenes Ohr und Zeit für die Patienten ist immer gut und wichtig. Ganz besonders bei langen und schweren Krankheiten. Hier hilft ein gutes Gespräch und das Verständnis für die Nöte der Patienten. So kann man auch die Heilung begleiten und den Patienten in seiner individuellen Reaktionszeit unterstützen. Alles hat seine Zeit, auch die der Genesung.