Hinter den Symptomen

Diagnostik heißt: genau hinschauen! / von Tierheilpraktikerin Christine Stroop
Für die miasmatische Homöopathie ist es ein charakteristischer Zug, daß sie sich nicht auf die augenfälligen Symptome beschränkt, sondern genauer hinsieht. Das lohnt sich, wie folgender Fall zeigt.
Ich wurde zu einem Kater gerufen, der seit Monaten nicht mehr richtig fressen wollte. Das Tier war sehr mager und schulmedizinisch durchgecheckt ohne Befund. Es gab keinen ersichtlichen Grund, warum das Tier so schlecht fraß. Er ging auch nicht mehr so viel und so gerne nach draußen wie früher. Die Besitzer vermuteten schon so eine Art „Depression“. Es waren wohl in der letzten Zeit sehr viele neue Kater im Revier aufgetaucht und der Kater hatte den einen oder anderen Kampf in der letzten Zeit verloren und kam mit den Niederlagen nicht zurecht. Die Besitzer haben das Gefühl, sein Selbstbewusstsein hat einen Knacks bekommen. Er fängt noch Mäuse, frisst diese aber nicht mehr.
Ich verordnete ein Mittel in einer Q-Potenz einmal wöchentlich einen Tropfen und einen Tag nach dem ersten Tropfen fraß der Kater wieder, fing zwei Mäuse, fraß diese auch und war ganz der Alte.
Ein paar Tage später wurde ich informiert, dass der Kater wohl Schmerzen hätte und hinkte. Ob dies eine Reaktion auf das verordnete Mittel sei, fragten mich die Besitzer. In der Krankengeschichte gab es keinerlei Lahmheiten und so schloss ich eine alte Beschwerde aus. Um eine Erstverschlimmerung konnte es sich meiner Meinung nach auch nicht handeln, der Kater hatte ja zu keiner Zeit gehinkt.
Da es die Zeit um Silvester war, lag der Verdacht nahe lag, dass sich der Kater erschreckt und vielleicht versprungen hatte.
Nach einigen Tagen war wieder alles in Ordnung.
Nach einigen Wochen trat das Hinken wieder auf und ich bat nun die Familie, den Kater röntgen zu lassen, um die Ursache abklären zu können.
Es stellte sich heraus, dass der Kater eine Spondylose hatte (eine Erkrankung der Wirbelkörper: es bilden sich Ablagerungen und Zacken an den Wirbelkörpern, die zu ausstrahlenden Schmerzen sowie zu Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule führen). Das war auch der Grund, warum das Tier seit Monaten nicht mehr fraß und nicht mehr so gerne nach draußen wollte. Da der Kater vorher ja nie gehinkt hatte, kam natürlich auch niemand auf die Idee, zu röntgen oder eine solche Erkrankung zu vermuten.
Das homöopathische Mittel, welches der Kater von mir für seine Appetitlosigkeit und auf Grund seiner Krankengeschichte und seiner Gemütslage bekam, ist auch ein Mittel für Spondylose und hat anscheinend die Symptome deutlich werden lassen. Genaugenommen war das Hinken nun doch eine Erstverschlimmerung. Die Spondylose war ja die eigentliche Ursache der Symptomatik.
Das homöopathische Mittel wurde beibehalten und die vom Tierarzt verabreichten Schmerzmittel konnten recht schnell wieder abgesetzt werden.
Mittlerweile geht es dem kleinen Kerl sehr gut. Er läuft manchmal etwas steif, ist aber sonst wieder ganz der Alte.
Auch wenn in diesem Fall das gegebene Mittel anschlug, zeigt er doch, von welcher fundamentalen Bedeutung eine umfassende und zutreffende Diagnose ist: die Mittelwahl wäre erheblich sicherer gewesen, wenn die Spondylose vorher bekannt gewesen wäre.