Die perfekte Welle

Die Hintergründe der Grippe-Panikmache / von Dr. med. Sybille Freund

„Viren-Warnung: Die Grippewelle breitet sich aus“, lautete kürzlich die Überschrift eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung. Im Text geht es weiter mit „Die Grippewelle in Deutschland hat ihren Höhepunkt offenbar noch nicht erreicht. Nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin ist die Zahl der Erkrankten in der vergangenen Woche erneut gestiegen.“ Später heißt es dann „Um die Ausbreitung der Influenzaviren durch großangelegte Impfprogramme aufzuhalten, sei es inzwischen zu spät, sagt Glasmacher. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Alte und Schwangere könnten aber auch jetzt noch vom Impfschutz profitieren.“
Nun kann man zu seinem Hausarzt gehen, in der Hoffnung, von ihm durch einen kleinen Pieks vor dem Unheil gerettet werden zu können oder man kann solche Artikel hinterfragen. Wieso z.B. gibt es solche Artikel? Wem nützt die Information, dass die Grippewelle Ihren Höhepunkt noch nicht erreicht habe? Es ist nicht beschrieben, welche Maßnahmen man ergreifen kann, um sich zu schützen – außer, dass man sich vielleicht impfen lassen könnte. Schaut man sich mal an, was da hinter den Kulissen los ist, wird es langsam spannend.
Das Informationsfreiheitsgesetz ermöglichte Hans U. Tolzin (Herausgeber des Impf-Report www.impf-report.de) vor zwei Jahren Zugriff auf die Vereinbarungen, die der „Arbeitsgemeinschaft Influenza“ (AGI) zugrunde liegen. In der AGI arbeitet das Robert-Koch-Institut mit dem Deutschen Grünen Kreuz (DGK) zusammen – und mit vier großen Pharmakonzernen. Aus dieser Vereinbarung geht hervor, dass die AGI Informationen über die jeweilige Influenzasaison sammelt und auswertet.
Das RKI hat in der AGI u.a. die Aufgabe die Informationen zu analysieren und zu bewerten. Es vertritt die AGI nach außen.
Das DGK hat u.a. spezielle Vorgaben wie viele Artikel und wissenschaftliche Beiträge es an ausgewählte Medien und Agenturen herausgeben muss. Wer aber ist eigentlich das DGK? Das Deutsche Grüne Kreuz? Dieser Name klingt auf den ersten Blick vertrauenswürdig. Die Homepage ist auch entsprechend aufgemacht (www.dgk.de). Man muss aber nur kurz recherchieren, um festzustellen, dass hinter dem DGK ein Mann steckt, der sich auch in vielen anderen Bereichen engagiert: Dr. Hans von Stackelberg. Er fungiert als Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft des DGK, der Agentur „Medialog“. Auf deren Webseite www.agentur-medialog.de/home/referenzen.html steht dann auch: „Natürlich zählen auch größere und kleinere Unternehmen aus der pharmazeutischen Industrie zu unseren Kunden. Für diese führen wir Pressekonferenzen durch, koordinieren die Medienarbeit und produzieren Broschüren, Plakate und Flyer.“ Aha – ein gemeinnütziger Verein der Gesundheitsvorsorge mit einer Tochtergesellschaft, die für die Pharmaindustrie arbeitet...interessant!
Man mag sich fragen, welches Spiel hier eigentlich gespielt wird. Ganz besonders spannend aber wird es, wenn man feststellt, dass es durch die AGI-Vereinbarung finanzielle Verknüpfungen zwischen RKI, DGK und den Pharmafirmen gibt. Jede dieser Pharmafirmen – Sanofi Pasteur MSD, Chiron Behring, GlaxoSmithKline und Solvay Arzneimittel – stellt Influenza-Impfstoffe her. Von diesen Firmen fließen zu gleichen Teilen jeweils 50.000 € im Jahr in die Arbeitsgemeinschaft Influenza.
Gerne können Sie sich die AGI-Vereinbarungen ansehen. Sie können sie unter folgendem Link abrufen: www.dgmh.org/aktuell.php
Muß man sich Sorgen um die Glaubwürdigkeit im Gesundheitswesen machen? Auf jeden Fall sollte man sich als „mündiger Patient“ damit beschäftigen!
Da fällt mir ein: ein Buch, dass ich zwischen den Jahren las, halte ich für durchaus empfehlenswert: "Korrupte Medizin: Ärzte als Komplizen der Konzerne" von Hans Weiss, Kiepenheuer & Witsch Verlag.
Graben Sie sich doch einfach ein bisschen zuhause ein, lesen Sie, denken Sie, genießen Sie einen heißen Tee, dann sinkt das Risiko auch drastisch, sich an einer Influenza anzustecken – ebenso wie das Risiko, für dumm verkauft zu werden





Dr. med. Sybille Freund ist Vorsitzende der DGMH und regelmäßige Autorin für den Newsletter.