Warum Homöopathen ihre Nase überall reinstecken müssen

Erst das Gesamtbild des Ergehens des Patienten erlaubt eine Diagnose / von Tierheilpraktikerin Christine Stroop

In den vergangenen Newslettern haben wir schon darüber berichtet, was bei einer homöopathischen Behandlung wichtig ist. Wie eine homöopathische Anamnese abläuft, welche Symptome wichtig sind, wie diese gewichtet werden und wie aus den vorhandenen Symptomen das passende homöopathische Mittel erarbeitet wird, was bei der Einnahme der Mittel zu beachten ist und wie der Heilungsverlauf sein sollte.
Neben dieser fachlichen und handwerklichen Seite spielt aber auch die Kommunikation zwischen Patient und Behandler eine große Rolle.
Ein Mensch kann seine Empfindungen selbst äußern. Ein Mensch kann z. B. sagen, ob es an einer Stelle seines Körpers sticht oder ob er jedesmal bevor Ihm übel wird ein Schauer über seinen Rücken läuft. Dass ein Tier z. B. Schmerzen hat, kann der Mensch meist anhand des Verhaltens erkennen. Wie die Qualität des Schmerzes ist und ob eine andere Empfindung vorausgeht, kann ein Tier nicht äußern. Hier ist der Behandler auf das angewiesen, was ihm der Tierbesitzer mitteilt oder was er selbst an diesem tierischen Patienten feststellen kann und was ihn die Erfahrung gelehrt hat.
Doch selbst, wenn es möglich ist, ein Symptom klar zu beschreiben, kann es zu Missverständnissen kommen. Kommt es doch immer wieder vor, dass jeder etwas anderes versteht obwohl die gleiche Terminologie benutzt wird.
So rief mich z. B. eine Patientin an und klagte darüber, dass ihre Katze seit zwei Tagen Durchfall habe. Die Katze wurde zwei Jahre zuvor schon wegen häufiger Durchfälle von mir behandelt und war seitdem gesund und hatte keine Durchfälle mehr. Die Besitzerin sagte mir, sie hätte schon das damalige Mittel gegeben, was aber diesmal nicht geholfen habe.
Die Besitzerin beschrieb den Durchfall als dünn und grünlich und von saurem Geruch. Ich vereinbarte einen Termin und bat eine Kotprobe mitzubringen. Die Kotprobe stellte sich als breiig und bräunlich heraus. Der Geruch war „normal“.
So kann eine einfache Beschreibung zu Missverständnissen und im schlimmsten Fall zur Verschreibung eines falschen Mittels führen.
Kommt ein Tierhalter mit seinem tierischen Patienten zur Folgekonsultation, so ist natürlich eine der ersten Fragen ob und was sich geändert oder neu gezeigt hat. Meist ist die Antwort, ach wissen sie, eigentlich ist nicht viel passiert.
Auf die Frage ob Symptom A also unverändert besteht kommt dann die Antwort, ach so, nein das Symptom A ist nicht mehr da. Was ist mit Symptom B? Nein, dass war nur noch einmal. Und Symptom C, dass ist seltener und weniger heftig. Und so weiter…..
Fragt man also die einzelnen Symptome der Reihe nach ab, zeigt sich sehr schnell, dass sich meist doch eine Menge bewegt hat. Dies mag in der Tatsache begründet liegen, dass Dinge, die unangenehm sind uns eher auffallen, weil sie ja stören. Dinge, die in Ordnung sind stören nicht. Gesundheit wird nicht so intensiv wahrgenommen wie Krankheit und die damit einhergehenden Einschränkungen.