Pubertät: Zeit der Veränderungen

Drüsen- und andere Pubertätsprobleme / von Dr. med. Sybille Freund
In der Pubertät ändert sich vieles. Die Hormone spielen verrückt und neben sozialen Störungen, machen manchmal auch Drüsen Beschwerden. Zwei Probleme treten nämlich öfter mal in der Pubertät auf. Die eine Auffälligkeit kann erschrecken: Knoten in den Brüsten, die Brustknospen: die ersten Zeichen des Brustwachstums. Gerade, wenn junge Mädchen schon von Brustkrebs gehört haben und von Knoten in den Brüsten, können Sie sehr erschrecken, wenn ihre eigenen Brüste anfangen zu wachsen. Die Brustdrüsen sind am Anfang häufig knotig, fest und schmerzempfindlich. Ganz besonders stark fällt es auf, wenn dies bei Jungs auftritt. Das darf allerdings sein und ist kein Krankheitszeichen. Diese schmerzhaften Knötchen verschwinden nach einiger Zeit wieder und sind kein Hinweis, dass diesem Jungen womöglich Brüste wachsen. Homöopathisch würde ich hier nur eingreifen, wenn die Beschwerden deutlich schmerzhaft und andere krankhafte Ursachen für die Schmerzhaftigkeit ausgeschlossen sind.

Eine andere Drüse, die in der Pubertät zu Beschwerden führen kann, ist die Schilddrüse. Ihre Funktion kann aus dem Lot geraten, so dass die Pubertierenden besonders antriebsschwach oder besonders hibbelig werden können. Auch der Kreislauf kann dann durcheinander kommen. Hier kann man homöopathisch behandeln, besonders gut, wenn man den miasmatischen Hintergrund kennt.

Ursprünglich wollte ich den Artikel über Drüsen noch länger gestalten, aber nun möchte ich doch darauf einzugehen, wann eine homöopathische Behandlung notwendig und sinnvoll ist und wann nicht, weil eine Patientin mich kürzlich nach einer homöopathischen Behandlung Pubertierender fragte, die soziale Konflikte aufwerfen.

Eltern möchten für ihre Kinder naturgemäß nur das Beste. In medizinischer Hinsicht heißt das, dass die Kinder die beste Ernährung bekommen, die beste Prophylaxe und die beste Therapie. Wenn sie krank werden, bekommen sie die „besten“ Hilfsmittel: bei Husten Hustenlöser, bei Fieber Fiebersenker, bei Halsentzündung ein Antibiotikum, bei Hyperaktivität Ritalin. Gut, das ist jetzt etwas plakativ und in manchen Fällen mögen die Medikamente schon sinnvoll sein. Häufig vergessen wir aber, dass Kinder sich entwickeln müssen. Das ist ein aktiver Vorgang. Kinder müssen ihre Muskeln trainieren, damit diese wachsen. Deshalb haben sie so einen starken Bewegungsdrang. Sie müssen denken, damit ihr Gehirn sich entwickelt, sie müssen gucken, damit sich die Augen entwickeln. Wird z.B. ein Auge abgedeckt, entwickelt sich die Sehbahn nicht und das Auge erblindet. Das gleiche gilt meiner Ansicht nach auch für das Immunsystem: Infekte sind für das Immunsystem ein Training (zu häufige oder schlecht verlaufende Infekte bedürfen natürlich einer gesonderten Betrachtung) und soziale Auseinandersetzungen trainieren die soziale Intelligenz.

Wenn in der Pubertät also soziale Konflikte auftreten, ist das sicher nicht angenehm, aber es ist ein durchaus normaler Vorgang. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ändert sich, die Jugendlichen müssen sich neu definieren. Auf neurologischer Ebene wird extrem viel umgebaut, Synapsen (Nervenverbindungen) schließen sich, neue Verknüpfungen entstehen. In einer Zeitschrift, die sich mit dem Thema Pubertät beschäftigte, stand deshalb auch der Satz: „Wenn Ihre Kinder in der Pubertät sind, hängen Sie Ihnen am besten ein Schild um: Zur Zeit wegen Umbauarbeiten außer Betrieb“. Ich fand diesen Satz sehr schön und man kann als Eltern mit diesem Satz im Hinterkopf so manche Äußerungen der Pubertierenden viel besser verkraften. Behandlungsbedarf sehe ich allerdings nicht, solange, die Pubertät noch in normalen Bahnen abläuft. Erst wenn der/ die Jugendliche sich oder andere gefährdet oder gesundheitliche Beschwerden bekommt, sollte man im Einzelfall abwägen, ob eine Behandlung sinnvoll ist.
Sonst gilt für die homöopathische Behandlung wieder mal: Weniger ist mehr!