Wasser: klare Sache!?

Pharma-Rückstände im Trinkwasser - eine unbekannte Größe / von Dr. med. Sybille Freund
Wenn Patienten durch Medikamente oder andere ärztliche Einflüsse erkranken, spricht man von iatrogenen Krankheiten. Eine berühmte iatrogene Krankheit ist z.B. der aufgeschwemmte Zustand nach langfristiger Cortisoneinnahme. Bekannt ist den meisten Menschen, dass wir durch Antibiotika oder Hormone in Fleisch gefährdet sind, iatrogene Krankheiten zu bekommen. Nicht so geläufig ist bislang
die Überlegung, wie viele Medikamente wir über das Trinkwasser aufnehmen. Wenn man sich überlegt, dass mindestens ein Viertel der Bevölkerung die Pille nimmt und die Hormone zu einem großen Teil wieder ausgeschieden werden, fragt man sich, wo sie eigentlich hinfließen. Hinzu kommen Blutdruckmedikamente, Antibiotika, Chemotherapeutika von Krebspatienten, etc. Sie alle fließen in die Kanalisation. Werden sie bei der Wasseraufbereitung vernichtet?
Mit dieser Frage habe ich mich in den letzten Wochen beschäftigt. Auf die Frage an unser örtliches Wasserwerk, ob denn das Trinkwasser auf Medikamentenrückstände untersucht werde, erhielt ich die Antwort, man untersuche nur, was gesetzlich vorgeschrieben sei und dazu gehöre die Prüfung auf Medikamentenrückstände nicht. Man diskutiere diesen Gedanken zwar auf Fortbildungen, die Mengen seien allerdings zu gering, als dass es sich lohnen würde, sie zu untersuchen.
Nun ja, solche Aussagen kennt man, das stellte mich nicht zufrieden. Nach etlichen Telefonaten landete ich beim Laborarzt des Labor des „Zweckverbandes Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach“, der mich ausführlich beriet. Unser Kreis sei relativ ungefährdet, weil wir hauptsächlich mit Grundwasser und nur im Notfall mit aufbereitetem Wasser versorgt werden würden – wobei ich mir schon wieder überlegte, ob nicht auch die Antibiotika und Hormone aus Kühen und anderen Tieren ins Grundwasser gelangen. Es habe vor 10 Jahren einmal eine Studie eines in Wiesbaden ansässigen Labors gegeben, das Brunnenproben auf Medikamente untersucht hätte. Die Ergebnisse seien allerdings durchweg negativ gewesen, so dass die Untersuchungen beendet worden seien. Er wäre interessiert an solchen Untersuchungen, das Labor hätte allerdings keine Akkreditierung für diese Art von Diagnostik, so dass solche Untersuchungen nicht leicht zu bekommen sind. Man kann über Fresenius für etwa 600 Euro Wasseruntersuchungen anfordern. Die Ergebnisse sind dann allerdings nicht sehr aussagekräftig, weil sie nur eine „Wasserquelle“ betreffen. Es ist also nicht wirklich einfach an irgendwelche Zahlen zu kommen.
Letztenendes stellte mir ein Mitarbeiter des arznei-telegramms netterweise einige Artikel zum Thema zur Verfügung.
Wie aus einem Artikel der Deutschen Apotheker Zeitung, 1998, hervorgeht, wurden „in zahlreichen ...Wasserproben im gesamten Bundesgebiet Arzneistoffe nachgewiesen.“ „Bemerkenswert ist jedenfalls, daß die Arzneifrachten in den beprobten Oberflächengewässern bezogen auf einen Zeitraum von einem Jahr die Durchschnittswerte für Pflanzenschutzmittel übersteigen können.“ Am Ende des Artikels wird darauf hingewiesen, dass Messprogramme durchgeführt werden sollen, die Licht in die Problematik bringen.
In einem aktuellen Artikel der pharma-kritik 2007 (Nr. 7) wird nun darauf hingewiesen, dass die in den 90er Jahren getätigten Untersuchungen noch nicht mit solch feinen Methoden durchgeführt wurden wie heute. So wurden in einer europäischen Studie flussabwärts von Kläranlagen Wasserproben genommen, in denen Spuren von 26 Medikamenten gefunden wurden. Weitere nationale Studien wiesen auch Medimantenspuren im Oberflächen- und Grundwasser nach. Die Auswirkungen dieser Spuren, die im Mikro- oder Nanogrammberich liegen, auf Wasserpflanzen und -tiere wurden in einigen Studien untersucht. Wenigstens in Bezug auf Hormone kann man sagen, dass die Auswirkungen deutlich sind: drei aufeinanderfolgende Generationen von Fischen, die regelmäßig Ethinylestradiol-Spuren (Hormon der Pille) ausgesetzt waren, hatten deutliche Fortpflanzungsprobleme. Es kam bei den Männchen zu Veränderungen der sexuellen Ausprägung. In französischen Studien stellte man eine Verweiblichung fest. Wie die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus sind, konnte in dem Artikel nicht dargelegt werden. „Es können noch Jahre vergehen, bevor die Risiken der Gewässerverschmutzung durch Medikamente einigermassen zuverlässig eingeschätzt werden können.“
Die Rheinische Post schreibt am 13.11.2007, dass bislang mehr als 1000 Untersuchungen zur Arzneimittelbelastung des Trinkwassers in Nordrheinwestfalen durchgeführt worden seien. „In Essen und Dortmund waren erhöhte Werte des Röntgenkontrastmittels Iopramidol aufgefallen. In Essen wurden 718, in Dortmund 240 Nanogramm pro Liter gefunden. Der Grenzwert, bei dem ein lebenslanger Konsum keine Folgen hat, liegt bei 100 Nanogramm.“

Sicher muss man bedenken, dass Werte wie sie in Essen und Dortmund gefunden wurden, nicht die Regel sind. Die Frage ist allerdings, inwiefern sich kleinste Mengen von Medikamenten im Körper ansammeln und addieren können. Hinzu kommt, dass gerade Homöopathen die Auswirkungen kleinster Mengen auf den Organismus bekannt sind.
Ich denke, es kann nicht schaden, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Möglicherweise wäre es doch von Vorteil von Leitungswasser auf Wasser „aus der Flasche“ umzusteigen, dass aus der Tiefe gefördert wird. Auf jeden Fall aber sollte jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt, einen bewussten Blick auf seinen Medikamentenverbrauch werfen und überlegen, ob er sich nicht möglicherweise doch lieber homöopathisch behandeln lassen möchte.