Tierisch gewachsen!

Wachstum und Entwicklung bei Tieren / von Tier-HP Christine Stroop
Jedes Lebewesen auf diese Welt macht vom Tag der Zeugung an eine seiner Art entsprechende, Entwicklung durch. Es gibt für Menschen, Tiere und Pflanzen festgelegte Zeitrahmen, wann sich z.B. welches Organ ausbildet, wann sich welche Sinne entwickeln, wann das Wachstum abgeschlossen ist und wie lange die geistige Reifung dauert. Angefangen von der ersten Zellteilung bis zum Lebensende, folgt die körperliche und geistige Entwicklung den Regeln der Natur.
So fangen Kinder in der Regel zwischen dem sechsten. und achten Monat an ihre Milchzähne auszubilden. Katzenwelpen öffnen zwischen dem siebten und zwölften Tag ihre Augen und ein junger Rabe wird mit ca. 40 Tagen flügge. Ein Hund wird, abhängig von der jeweiligen Rasse, zwischen dem sechsten und zwölften Monat geschlechtsreif. Große Rassen sind Spätentwickler und kleine Rassen in der Regel recht früh fortpflanzungsfähig. Die Natur hat einen kleinen Spielraum gelassen, wird dieser überschritten, spricht man von einer Verzögerung in der Entwicklung. Zu jedem Zeitpunkt der verschiedenen Entwicklungsstufen sind Verzögerungen körperlicher und geistiger Art möglich. Als Ursache kommen äußere Einflüsse und die Genetik in Betracht. Nicht immer jedoch ist die Ursache nachvollziehbar.

Bei Wildtieren ist in der Regel dass Überleben gefährdet, wenn sich ein Jungtier nicht schnell genug entwickelt. Ist es in seinen körperlichen oder geistigen Fähigkeiten zurückgeblieben wird es kaum überleben können. Stoppt die Entwicklung nicht ganz, ist es möglich den Rückstand aufzuholen. Dies hängt natürlich auch von der Schwere der Verzögerung ab.
Bei unseren Haustieren ist die Chance, einmal ein normales Leben führen zu können wesentlich höher. Sie sind in der Regel nicht darauf angewiesen sich ihr Futter selbst zu jagen und laufen in der Regel nicht Gefahr einem Beutegreifer zum Opfer zu fallen.
In meiner Praxis sehe ich Entwicklungsverzögerungen nicht sehr häufig. Was mir gelegentlich begegnet, sind Verzögerungen bei der Geschlechtsreife. Die erste Hitze oder Rolligkeit sind überfällig. Immer ein wichtiges Symptom bei der Behandlung anderer Erkrankungen. Verzögerungen der geistigen Reife fallen in leichten Fällen bei Tieren oft gar nicht auf. Vor ein paar Jahren hatte ich einen Fall in der Hundeschule von einem jungen Hund, der in seinen geistigen Fähigkeiten sehr deutlich immer etwa 9 Monate hinter denen seiner „Klassenkameraden“ hinter her hinkte. Nach einer Mittelgabe verkleinerte der Hund recht schnell seinen Rückstand. Heute ist er zwar immer noch kein „Musterschüler“, aber von anderen gleichaltrigen Hunden nicht mehr zu unterscheiden.
Interessante Beobachtungen gibt es im Zusammenhang mit Entwicklungsstörungen und Stoffen aus unserer Umwelt. Wichtig ist hier anscheinend der Zeitpunkt der Einwirkung von Fremdsubstanzen auf den Organismus. Pflanzliche Stoffe, natürliche Hormone und Umweltchemikalien wie DDT oder PCB können Entwicklungsstörungen auslösen. Bei wildlebenden Tieren wurde z.B. ein Zusammenhang zwischen hormonaktiven Chemikalien und Störungen der Keimdrüsen, der Schilddrüsenfunktion und der Nebennierenrinden Hormonproduktion festgestellt.
Neben einer Verringerung der Fruchtbarkeit konnte ein verändertes Sexualverhalten, eine Verweiblichung der Männchen, sowie Missbildungen festgestellt werden. Dies kann soweit gehen, dass das Fortbestehen einer Art in Gefahr ist. Das Aussterben der Fischotter in industriellen Gebieten wird durch Feldstudien aus Großbritannien mit der hohen Konzentration von PCB im Wasser und den dadurch verursachten Entwicklungsstörungen in Verbindung gebracht.
Pflanzenschutzmittel wie DDT und andere Chlorchemikalien führen zu Fortpflanzungsstörungen von Alligatoren, Tauchenten, Fischadlern, Wanderfalken und Seeadlern. Marine Schnecken sind mit Zinnverbindungen, die aus den Schutzanstrichen der Schiffe ins Wasser gelangen belastet und leiden deshalb unter Störungen.
Leisten wir also alle unseren Beitrag und gehen wir sparsam mit Chemikalien aller Art um, damit unsere Umwelt mit Ihren Pflanzen und Tieren noch lange so artenreich bleibt.