Bleibt alles anders

Die Wechseljahre bringen etliche körperliche Veränderungen mit sich / von HP Gabriele Mayer

Die Wechseljahre sind ein natürlicher Abschnitt im Leben einer Frau. Sie können eine interessante Phase des Wechsels und der Wende sein, die vieles an Erkenntnissen und Erfahrungen bereithält.
Die Mehrzahl der Frauen empfindet die verschiedenen Veränderungen, die mit der veränderten Hormonsituation in dieser Lebensphase einhergehen, nicht als körperliche oder seelische Belastung. Etwa ein Drittel aller Frauen durchlebt den Wechsel ohne subjektive Beschwerden, ein weiteres Drittel gibt Beschwerden an, die jedoch die Lebensqualität nicht nachhaltig beeinträchtigen. Allerdings kann es bei etwa einem Drittel der Frauen in der Menopause zu unangenehmen körperlichen und psychischen Beschwerden kommen, die mit einer wesentlichen Einschränkung der Lebens-qualität einhergehen.

Die Phase des Beginns der Menopause der Frau liegt von den mittleren Vierziger- bis zu den späten Fünfziger-Jahren, die intensive Phase dauert sieben bis zehn Jahre. Was geschieht in dieser Zeit im Körper an hormoneller Umstellung?
Im Lauf der Wechseljahre schwanken vor allem die Konzentrationen von Östrogenen und follikelstimulierndem Hormon (FSH). Durch einen Regelkreis halten sich diese beiden Hormone normalerweise gegenseitig in Schach. Da die Eierstöcke nun aber immer weniger Hormon produzieren, sinkt der Östrogen-Spiegel und die Konzentration von FSH steigt. Dieses Ungleichgewicht kann Beschwerden hervorrufen.
Zu den häufigsten Beschwerden gehören Hitzewallungen, Trockenheit der Schleimhäute, Schlafstörungen und Gemütsschwankungen.
Die körperlichen Veränderungen treten normalerweise nicht von einem auf den anderen Tag auf. Sie gehen über viele Jahre mit dem Abfall des Hormonspiegels einher und können sich bei jeder Frau unterschiedlich stark bemerkbar machen.
Natürlich gibt es auch “Wechseljahre des Mannes” (Fachausdruck: Climakterium virile). Auch dieses hat eine biologische Ursache, nämlich die Abnahme der Testosteron-Produktion, also der männlichen Sexualhormone. Dies allerdings meist langsamer als bei der Frau. Deshalb kommt es auch seltener und weniger ausgeprägt zu klimakterischen Beschwerden. Entsprechende Symptome, die ebenfalls um das 50. Lebensjahr beginnen können, sind aber auch hier Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Angstzustände und natürlich der Rückgang von geistiger und körperlicher Leistungsfähigkeit sowie von Libido und Potenz.
Ursache der Wechseljahre ist also eine natürliche Veränderung der Hormonproduktion, die zu typischen Beschwerden führen kann. Ziel einer medizinischen Linderung dieser Beschwerden sollte sein, der Frau den Schritt in diesen neuen Lebensabschnitt zu erleichtern. Die Mehrzahl der Frauen wünscht eine naturheilkundliche Therapie.
Eine naturheilkundliche Behandlung ist schon deshalb vorzuziehen, weil klimakterische Beschwerden oft nicht nur durch die Hormonschwankungen bedingt sind, sondern, neben gesundheitlichen Dimensionen, erleben die Frauen sie auch als Zeit seelischen Wandels für eine Um- und Neuorientierung.
Der Ausdruck „Menopause“ lädt zu der Assoziation ein „pause from men“, also Pause von den Männern, Pause von den Menschen. Viele Frauen äußern in dieser Zeit das Verlangen nach Rückzug, Frieden, Zeit für sich alleine und Freiheit von Forderungen und Ablenkungen.
C.G. Jung, Gründer der analytischen Psychologie, vertrat die Theorie, dass Frauen in der Lebensmitte ihre Animusseite zu entwickeln beginnen, erkennbar äußerlich am Flaum im Gesicht älterer Frauen. Auch passive Frauen werden durch diese Metamorphose durchsetzungsfähiger und ihr Horizont beginnt sich über den engen Bannkreis von Familie und Freunden auf die Ebene der gesamten Menschheit auszuweiten. Wir erwachen zu gesellschaftlicher Verantwortung. Auch C.G. Jung sprach davon, ab der Lebensmitte nach innen zu schauen und zu unserem Selbst zu kommen. Wir dürfen damit aufhören, die Erfüllung im Äußeren zu suchen.
Wechseljahre sind eine Chance und eine Herausforderung zu persönlichem Wachstum, zu einem reifen Lebensentwurf für sich selbst. Die hormonelle Umstellung fördert eine Weiterentwicklung in eine neue Lebensphase mit vielleicht ganz anderen Schwerpunkten, dazu Vertrauen in die eigene Person und in das Leben zu vertiefen. Die Nestbau-Phase ist vorüber und der Eintritt in eine neue Lebensphase zwingt dazu, eigene Werte und Ziele neu zu definieren.

Jede Frau erlebt diesen Wechsel in ihrer ganz persönlichen Situation auf individuelle Art.
Die Aufgabe einer homöopathischen Behandlung ist es, das körperliche Befinden zu bessern und die Gesamtenergie zu steigern. Die dadurch angesprochenen Selbstheilungskräfte helfen den Frauen in eine aktive Lebensgestaltung und dadurch helfen sie sich selbst durch die Krise. Für die Behandlung einzelner Symptome bietet die Homöopathie eine Fülle bewährter Indikationen zur Linderung therapiebedürftiger Wechseljahresbeschwerden.
Einen grundsätzlichen, tieferen Heilimpuls kann aber auch hier nur das homöopathische Similimum geben. Die beste Medizin in der Menopause ist das tief wirkende Konstitutionsmittel, entsprechend dem Symptomenpotential der Patientin zu dieser Zeit. Burnett sagte dazu: „Eine gute Konstitution wird nicht durch die Wechseljahre in eine schlechte umgewandelt. Es sind nur schlafende Hunde geweckt worden“.
Eigene miasmatische Belastungen zeigen sich jetzt anhand miasmatypischer Symptome deutlicher als zuvor, nicht zuletzt durch das Ausbleiben der „monatlichen Reinigung“. Wegweisend für ein aktiviertes Miasma kann z.B eine charakteristische klimakterische Beschwerde sein und häufig verlangen die Wechseljahre andere Homöopathika als zuvor, um das aktive Miasma zu beruhigen.