Diagnose:wichtig!

Zur Bedeutung der Diagnostik in der Homöopathie / von Dr. med. Sybille Freund
Homöopathie heilt nach dem Ähnlichkeitsprinzip, das ist bekannt. Wie Sie im vorigen Artikel gelesen haben, ist es deshalb nicht wichtig, den Krankheitszustand zu benennen. Dennoch ist es sehr wichtig zu wissen, mit welchen organischen Störungen man es zu tun hat. Aus diesem Grund ist eine gute Diagnostik auch für den Homöopathen von großer Bedeutung.
Nehmen wir an, eine Patientin kommt mit anhaltender Müdigkeit zum Homöopathen. Es kann sein, dass sie zu wenig schläft, dass sie Stress hat oder dass sie zu Depressionen neigt. Diese Informationen kann man aus einem guten Gespräch bekommen. Es kann aber auch sein, dass sie unter einer Schilddrüsenunterfunktion, niedrigem Blutdruck, Blutarmut oder ähnlichem leidet. Angenommen, wir stellen im Blutbild eine Blutarmut fest, dann muss geklärt werden, weshalb diese Blutarmut vorhanden ist. Das kann viele Gründe haben: die monatliche Periode kann sehr stark sein, sie kann aus einem Geschwür im Magen-Darm-Trakt bluten, schlimmstenfalls kann auch eine Tumorerkrankung zu einer Blutarmut führen oder es ist schlicht und einfach die Vererbung dafür verantwortlich, dass nicht genügend Blut gebildet wird.
Diese Ursachen müssen abgeklärt werden, damit der Therapeut ein Mittel auswählen kann, das die Krankheitserscheinungen auch wirklich beseitigen kann. Es gibt Mittel, die beim Gesunden zu einer starken Periodenblutung führen können. Diese Mittel können aber möglicherweise kein Magengeschwür hervorrufen, weil sie nicht so aggressiv sind, dass sie zu Zerstörungen führen. Diese Mittel sind auch nicht in der Lage ein Magengeschwür zu heilen (lesen Sie hierzu den Artikel „Die Arzneimittelprüfung am Gesunden“, Newsletter 14). Man muss also genau hinschauen, welche Ursachen für die Beschwerden verantwortlich sind. Findet man allerdings keine Ursachen, weil es sich um funktionelle Beschwerden handelt (hier liegt keine organische Erkrankung vor), muss man der Erkrankung auch keinen Namen geben. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Verdauung scheinbar grundlos „spinnt“, Patienten zu Erkältungen neigen, immer wieder Kopfschmerzen „ohne Ursache“ auftreten usw. Diese Erscheinungen finden wir sehr häufig. Patienten kommen mit Symptomen, die keiner körperlichen Störung zuzuordnen sind, weil einfach die Regulationskreise des Organismus nicht gut funktionieren. Dann reichen auch die Symptome, die Kenntnis über die Krankheitsentwicklung und Vererbung aus, um eine homöopathische Arznei wählen zu können. Und dann werden wir den Beschwerden auch keinen Namen geben.