Der mündige Patient

Sinn und Grenzen der Eigeninformation der Patienten / von Dr. med. Sybille Freund
In Zeiten des Internets wähnt sich jeder gut informiert. Eine Diagnose vom Therapeuten, ein Blick in´s Internet und schon weiß man alles! Oder? Einerseits ist es sicher sehr erfreulich, dass man Dinge nachlesen kann, die man früher nur in Fachbüchern fand, andererseits steht der Laie aber all zu oft da wie der junge Medizinstudent, der beginnt, sich sein Fachwissen anzueignen. Jeder von uns hatte wohl schon dieses Bild eines vollkommen hypochondrischen Menschen im Kopf, der vor lauter Symptomen, die er aus seinen Fachbüchern kennt, keine gesunde Stelle mehr am Körper vermutet. So ist der Medizinstudent oder der angehende Heilpraktiker. Ein Husten ist vielleicht Lungenkrebs, Müdigkeit möglicherweise Diabetes, Herzstolpern unter Umständen ein Tumor im Herzen.
Das kann für die späteren Patienten des Lehrlings von Vorteil sein, weil er in seinen Lehrjahren viele schwere Krankheiten „durchgemacht“ hat und so möglicherweise mitfühlender wird. Für ihn selbst aber ist es nur anstrengend, verunsichernd und verwirrend. Dem Patienten, der sich mal schnell im Internet informiert, kann es genauso gehen. Selbst wenn er ein aufgeklärter, sehr gebildeter Mensch ist, der möglicherweise schon so viel weiß, dass er mit einem Medizinstudenten oder Heilpraktiker“studenten“ vergleichbar ist, kommt er automatisch in diese Situation, wenn er selbst noch keinerlei therapeutische Erfahrung hat. Das führt dann möglicherweise dazu, dass er Arzneien, die ihm verschrieben werden, im Internet nachliest und überhaupt nicht nachvollziehen kann, weshalb der Therapeut sie ihm verordnet hat. Zudem geistert leider noch das Gerücht durch die homöopathische „Laienliteratur“, dass eine Arznei hauptsächlich aufgrund der Gemütssymptome verordnet würde. Die Arznei „Sulfur“ steht zum Beispiel im Ruf, dass sie Patienten gegeben wird, die sich nicht waschen und sehr unordentlich sind. Wer möchte so ein Mittel schon von seinem Therapeuten bekommen? Sepia gilt als Person, die ihre Familie ablehnt. Welche Patientin, die ihre Kinder liebt, könnte akzeptieren, dieses homöopathische Mittel zu erhalten?
Hier kann man nur sagen: dies ist eine Fehlinformation! In bestimmten Konstellationen können solche psychologische Symptome Relevanz haben, im Allgemeinen gibt es aber – gerade bei der Verordnung von Arzneien für chronische Prozesse – ganz andere Gründe für die Verordnung einer Arznei. Diese Verordnung ist für Laien leider nicht ad hoc nachzuvollziehen. Eine lange Ausbildung steht dabei im Hintergrund und viel praktische Erfahrung. Möglicherweise kann der Therapeut versuchen zu erklären, warum er eine Arznei gibt. Diese Erklärungen wirken aber häufig unzureichend, weil die Begründung zu gehaltvoll sein würde.
Letzten Endes brauchen Sie also einen Therapeuten, dem Sie vertrauen können und ein gewisses Hintergrundwissen, dass es Ihnen wenigstens in Ansätzen möglich machen kann, die Therapie zu verstehen. Zu diesem Zweck möchte ich Ihnen an dieser Stelle folgendes Buch empfehlen:

Homöopathik – das Heilsystem Samuel Hahnemanns
von Gerhard Risch (Pflaum-Verlag), ISBN 3-7905-0787-3

Wer kleinere Büchlein bevorzugt:
Der sanfte Weg von Gerhard Risch (Verlag Müller und Steinicke), ISBN 3-87569-130-X

Homöopathie ist (k)eine Kunst von Gerhard Risch (Verlag Müller und Steinicke), ISBN 3-87569-131-8

Wenn Sie sich mit der Homöopathie vertraut machen, werden Sie sehen, dass viel mehr dahinter steckt, als man gemeinhin annimmt und Sie werden hoffentlich erkennen, dass hinter Verordnungen ihres Therapeuten Gedanken stecken können, die Sie nicht nachvollziehen können. Wenn Sie dann einen Therapeuten haben, dem Sie vertrauen können, sollte dies die richtige Basis für eine erfolgreiche Therapie sein.