Sterben und Sterbebegleitung bei Haustieren

von Tierheilpraktikerin Christine Stroop
In unserer Kultur ist das Sterben immer noch ein Thema, welches ungern angeschnitten wird. Alte oder kranke Menschen sterben meist hinter den verschlossenen Türen eines Krankenhauses und nicht zu Hause im Kreise ihrer Angehörigen und Freunde. Selbst in aussichtslosen Fällen, manchmal künstlich durch Geräte am Leben erhalten, manchmal gegen den Willen der Betroffenen, ohne die Möglichkeit Einfluss darauf zu nehmen.
Alte oder kranke Tiere werden zum Tierarzt gebracht und sterben dort durch eine Spritze, um Ihnen unnötige Leiden zu ersparen. Im Gegensatz zu den Menschen können unser Tiere nicht äußern, ob Sie noch leben möchten, ob ihre Leiden erträglich sind, sie noch eine Weile damit zurecht kämen und es nur uns Außenstehenden unerträglich vorkommt. Gelegentlich gibt es auch Besitzer, die nicht loslassen können und noch Therapien und Behandlungen in Anspruch nehmen ohne Aussicht auf Erfolg oder Erleichterung. Dies kann dann zusätzliche Strapazen für die alten oder kranken Tiere bedeuten.
Der Tierbesitzer muss diese Entscheidung für sein Tier treffen. Und diese Entscheidung ist eine der schwersten Entscheidung für jeden Tierhalter. Man hat viele Jahre mit dem Tier verbracht und eine innige Bindung zu seinem Tier aufgebaut. Es ist ohne Zweifel ein Familienmitglied geworden. Die Entscheidung des „Einschläferns“ ist von vielen Ängsten und Zweifeln begleitet. Gehe ich diesen Schritt zur früh oder zu spät? was ist das Richtige für mein Tier? sind die häufigsten Fragen, die uns in diesem Falle quälen.
Machen wir uns bewusst, dass „Einschläfern“, so harmlos sich dieses Wort auch auf den ersten Blick anhört, bedeutet ein Leben unwiederbringlich zu beenden.
Machen wir uns bewusst, dass jedes Lebewesen eine andere Definition von Lebensqualität hat und es oft schwer zu beurteilen ist, wann ein Leiden so stark ist, dass es beendet werden sollte. Meist kennen die Menschen ihr Tier sehr gut und merken, wie es sich fühlt, wenn es auch schwer zu ertragen ist mit anzusehen, wie aus einem stattlichen Kater eine magerer alter Herr oder aus einer mit elastischem Gang stolzierenden Hundedame eine um die Schnauze ergraute alte Lady mit schlurfendem Gang wird.
Die Homöopathie versetzt uns in die Lage auch diesen letzen Weg eines Lebewesens zu begleiten und, wo Heilung nicht mehr möglich ist, zu lindern und den Weg vom Leben zum Tod zu erleichtern.

Es gelingt nicht immer, den Sterbeprozess bis zum Ende zu begleiten. Sei es, dass es nicht möglich ist einen Weg zu finden, das Tier weitgehend schmerzfrei zu halten oder sei es, weil es für die „Angehörigen“ unerträglich oder für das Tier nicht zumutbar ist.
Über die Jahre durfte ich bei einem Teil meiner eigenen Tiere und auch bei einigen Tier-Patienten auf dem letzten Weg dabei sein und wertvolle Erfahrungen sammeln.
Die wenigsten Menschen haben in Ihrem Leben einen toten Menschen oder ein totes Tier gesehen und eine starke Scheu davor. Die wenigsten wissen, wie der Sterben „verläuft“. Sterben ist ein Prozess, der je nach Vorerkrankung und Alter, einen gewissen Zeitraum, der nicht immer vorhersehbar ist, dauert. Dies kann von einigen Minuten bis einige Tage dauern.
Der Ausschnitt an Symptome, die nun beschrieben werden, kann durchaus auch im Verlauf einer Erkrankung auftreten und weist nicht immer auf ein bevorstehendes Sterben hin! Dann ist das Tier aber entweder noch jung oder die Erkrankung entsprechend harmlos und bedarf dann natürlich einer entsprechenden Behandlung und keiner Sterbebegleitung.
In der Regel beginnt das Sterben damit, dass die Nahrung verweigert wird. Die Körperfunktionen stellen nach und nach ihre Tätigkeiten ein. Das Tier zieht sich häufig zurück und stellt liebgewonnene Gewohnheiten nach und nach ein. Katzen gehen z.B. nicht mehr nach draußen, Hunde legen keinen Wert mehr auf ihr Lieblingsleckerlie etc. Diese Phase kann nur einige Stunden oder auch einige Tage dauern. Der Geruch der Tiere kann sich verändern, auch ein Zeichen, dass die Organe und Körperfunktionen ihren Dienst einstellen. Es kann zu einer Art Dämmerschlaf kommen, in der das Tier kaum noch an seiner Umwelt teilnimmt und irgendwann stellen Herz und Atmung ihren Dienst ein und das Tier ist „eingeschlafen“. Gelegentlich kann es zu Unruhezuständen mit Jaulen und Wimmern kommen. Dies sind nicht immer Anzeichen von Schmerzen, jedoch für uns Menschen emotional extrem schwer auszuhalten. Hier kann mit der Gabe homöopathischer Mittel häufig sehr schnell eine Entspannung und Beruhigung des Tieres herbeigeführt werden.
Sein Tier auf diesem Weg zu begleiten fordert viel Kraft und nicht jeder Mensch kann diesen Prozess mit tragen und ertragen. Wer aber einmal den Unterschied gesehen hat, wie ein Tier im Tod aussieht, das eingeschläfert wurde und eines, das einen natürlichen Tod gestorben ist, der wird feststellen, dass der Gesichtsausdruck und auch die Körperhaltung anders sind. Ein natürlich gestorbenes Tier wirkt entspannt, egal welches Leiden vorausgegangen ist. Im Sterbeprozess haben Mensch und Tier Gelegenheit Abschied zu nehmen und loszulassen.
Meine Tiere habe ich, wenn sie tot waren, immer noch einige Stunden in Ihrem Lieblingskorb gebettet im Raum gelassen um sie dann zu beerdigen.
Schulmedizinisch wird oft in den Sterbeprozess eingegriffen und z.B. ein Tier, das sich eigentlich zum Sterben zurückgezogen hat, künstlich ernährt. Dies verlängert das Sterben künstlich und am Ende wird das arme Kerlchen dann mit einer Spritze erlöst. Hier muss natürlich abgewägt werden, macht diese oder eine andere Maßnahme noch Sinn oder wird der Sterbezeitpunkt nur unnötig hinausgezögert und erfordert dann ein Einschläfern, weil der natürliche Tod verhindert wird.
Die passende homöopathische Arznei ist oft in der Lage eine Entscheidung herbeizuführen. Durch eine homöopathische Arznei an sich kann man kein Lebewesen töten, aber die Gabe eines passenden Mittels kann, wenn man in der Lage ist es zu finden, eine Entscheidung herbeiführen. Entweder das Tier kommt noch einmal auf die Beine oder kann friedlich von uns gehen.