Entweder Homöopathie oder Schulmedizin...oder?

Wie zwei scheinbar unvereinbare Ansätze doch zusammen passen können / von Dr. med. Sybille Freund

Was kann man vom Homöopathen bezüglich der Medikation erwarten, wenn Erkrankungen vorliegen, die „schulmedizinisch“ behandelt werden?
Leider taucht immer wieder die Ansicht auf, man dürfe während einer schulmedizinischen Therapie keine homöopathische beginnen. Das führt sogar dazu, dass Menschen sich mit Homöopathie nicht befassen, weil sie glauben, sie müssten dann komplett „umsteigen“. Dies ist für einige Personen nicht möglich. So kann ein Asthmatiker, der täglich sein Asthmaspray nehmen muss, nicht plötzlich damit aufhören und Atemnot haben bis die homöopathische Therapie deutliche Wirkung zeigt. Auch ein Patient mit deutlichem Bluthochdruck darf nicht plötzlich seine schulmedizinischen Medikamente weglassen, weil er jetzt homöopathisch behandelt wird.
Für dieses Problem gibt es eine einfache pragmatisch Lösung: der Patient behält seine schulmedizinischen Medikamente bis durch die homöopathische Therapie eine derart starke Besserung eintritt, dass er sie nicht mehr braucht. Wenn der Blutdruck plötzlich so niedrig ist, dass der Patient sich nicht mehr wohl fühlt, kann nach Rücksprache mit dem Therapeuten die Dosierung der „Blutdrucktabletten“ möglicherweise deutlich reduziert werden. Der Asthmapatient kann möglicherweise mit seltenerem Einsatz seines Sprays sehr gut zurechtkommen. So kann man sich langsam vortasten, bis möglicherweise gar keine schulmedizinischen Medikamente mehr gebraucht werden.
Etwas anders sieht das bei Hauterkrankungen aus. Patienten mit Hauterkrankungen bekommen häufig verschiedene Salben, die sie auftragen müssen. Das ist in der Tat problematisch. Ich möchte Ihnen hierzu einen Fall schildern:
Ein kleiner Patient, der wegen wiederkehrender Lungenentzündungen zu mir kam, erhielt eine homöopathische Arznei. Daraufhin hörten die Lungenentzündungen auf, aber der Po wurde wund. Als Homöopath freut man sich in solch einem Fall, weil sich das Problem von einem lebenswichtigen Organ (der Lunge) zu einem Organ verschoben hat, das nicht unmittelbar lebensnotwendig ist. Ich erklärte der Mutter, dass ein wunder Po nicht so gefährlich sei wie eine Lungenentzündung und sie deshalb bitte keine Zinksalbe verwenden solle, weil die Gefahr besteht, dass wieder eine Lungenentzündung entsteht, wenn der Po durch Salbe „verheilt“. Zwei Monate ging das so, bis die Mutter den Po nun doch mit Zinksalbe behandelte. Der Po „verheilte“, die nächste Lungenentzündung war da.
Dieser Fall zeigt, wie der Körper sich hilft, indem er schwerwiegendere Prozesse in die Peripherie verschiebt. Er erklärt auch, weshalb vielen Therapeuten auffällt, dass Patienten, die eine Neurodermitis mit Salben behandeln, irgendwann asthmatische Beschwerden bekommen. Man spricht hier von einer „Unterdrückung“ oder „Verschiebung“.
Behandelt der Homöopath also einen Patienten mit Hauterkrankungen, sollte man sich sehr genau überlegen ob man parallel auch eine Salbe einsetzt. Dies kann notwendig werden, wenn Kinder z.B. heftigsten Juckreiz haben und deshalb überhaupt nicht mehr schlafen können oder sich großflächig aufkratzen. Dann sollte die Salbe aber nur als absolute Notlösung und nur zur Linderung eingesetzt werden. Die Heilung erwarten wir von der Homöopathie, nicht von der Salbe.
Es ist also nicht ganz einfach mit Homöopathie und „schulmedizinischer Behandlung“. Andererseits sollten chronisch Kranke nicht vor der Homöopathie zurückschrecken, weil sie Angst haben, dass sie ihre Medikamente, die überlebenswichtig sind oder ein Leben mit erträglichen Schmerzen möglich machen, nun überhaupt nicht mehr nehmen dürften. Das ist so nicht richtig. Man kann Homöopathie und Schulmedizin sinnvoll kombinieren, wobei man immer als Ziel haben sollte, dass der Körper ganz ohne Medikamente zurecht kommen soll. Und noch ein Vorurteil möchte ich kurz klarstellen: Die Wirkung der homöopathischen Arzneien wird durch die „schulmedizinischen Medikamente“ nicht beeinflusst. Erfahrungen mit homöopathischen Arzneien bei Krebspatienten zeigen immer wieder, dass man sogar begleitend zur Chemotherapie erfolgreich homöopathisch behandeln kann.