Placebo-Effekt beim Tier?

Wenn Tiere glauben, dass es hilft / von Tier-HP Christine Stroop
Gibt es nun doch einen Placeboeffekt bei Tieren? Bisher galt: Kinder und Tiere wissen nicht, ob und was Sie einnehmen und können deshalb auch nicht dem Placeboeffekt zum „Opfer fallen“.
Mit der immer wiederkehrenden Debatte, ob Naturheilverfahren, allen voran die klassische Homöopathie, wirksam sind oder sich auf einen Placeboeffekt begründen wird nun argumentiert den Placeboeffekt gäbe es auch bei Tieren.
Aber was genau ist ein Placeboeffekt? Der Begriff Placebo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „ich werde gefallen“.
Beim klassischen Placebo handelt sich in der Regel um ein Präparat, das wie eine Arznei verabreicht wird, aber keinen wirksamen Arzneistoff enthält und so auch keine pharmakologische Wirkung haben kann. Meist bestehen die Scheinmedikamente aus Stärke oder Zucker. Farbstoffe und Geschmacksstoffe werden zugegeben um den Eindruck eines wirksamen Medikamentes vorzutäuschen. Sobald der Patient weiß, dass er ein Placebo einnimmt, reduziert sich der positive Effekt oder tritt gar nicht auf.
Im erweiterten Sinn werden heute auch alle anderen therapeutischen Maßnahmen als Placebo bezeichnet, die eine positive Reaktion bei einem Patienten bewirken können, aber als therapeutische Maßnahme an sich keinen Nachweis einer spezifischen Wirkung haben. So gibt es Akupunkturnadeln, die nicht durch die Haut stechen, sondern an der Oberfläche kleben und sogar Placebooperationen sind schon durchgeführt worden, die genauso wirksam waren wie die „echten Operationen“. Was die Frage aufwirft, ob es sich bei der Operation um eine wirkungslose Behandlung handeln könnte.
Es gibt desweiteren noch sogenannte Pseudo-Placebos. Dies sind echte Medikamente, die jedoch beim Patienten in seinem Krankheitsfall nach aktueller wissenschaftlicher Erkenntnis nicht wirken können, weil die Dosis zu niedrig ist oder das Wirkungsspektrum des jeweiligen Medikamentes keinen spezifischen Einfluss auf die zu behandelnde Krankheit hat.
Dann gibt es noch Placebos, die für spezielle Studien eingesetzt werden und nur die Nebenwirkungen eines Medikamentes nachahmen, aber nicht dessen Wirkung. Diese werden „Aktive Placebos“ genannt.
Die genaue Wirkungsweise des Placebos ist noch nicht umfassend erforscht.
Der Glaube an eine erwartete Besserung von Schmerzen z.B. in Verbindung mit der Einnahme eines Scheinmedikamentes hat in Versuchen eine erhöhte Gehirnaktivität gezeigt. Die Wirkung von Placebos wird sehr wahrscheinlich durch einen psychischen Aspekt, durch Suggestion oder klassische Konditionierung ausgelöst. Umgekehrt können Skepsis und Unsicherheit auch die Wirkung eines wirksamen Medikamentes beeinträchtigen.
Natürlich lassen sich auch kleine Kinder oder Tiere durch Suggestion und Konditionierung beeinflussen.
Zuwendung ist einer Heilung in der Regel sehr zuträglich. Kleinen Kinder, wie auch Erwachsenen, hilft es in der Krankheit umsorgt und getröstet zu werden und ist der Gesundung förderlich. Die Verabreichung eines Medikamentes mit dem Satz: “Dies wird Dir gut tun“ setzt allerdings voraus, dass die Bedeutung der Worte verstanden wird. Bei Tieren führen Trost und vermehrte Zuwendung häufig zu einer Verstärkung der Beschwerden und lösen Angst aus. Daher schließe ich aus meiner Erfahrung den Placeboeffekt bei Tieren aus.
So habe ich z.B. ein 10 Jahre altes Kaninchen in Behandlung, das als Folge einer überstandenen Infektion eine Lähmung der Hinterhand und einen Schiefhals hat. Das Tier ist zudem blind. Zumindest war bis zu Beginn der Behandlung kein Pupillenreflex mehr vorhanden. Mittlerweile kann es sein Beine, wenn auch eingeschränkt wieder bewegen und der Pupillenreflex ist wieder vorhanden. Das Tier gehört einer angehenden Tierärztin, die völlig verblüfft über den Verlauf der Behandlung war. Dies ist sicher nicht die Folge einer Suggestion oder einer Konditionierung. Bei einem meiner eigenen Hunde wurde durch Zufall bei einer Blutuntersuchung ein erhöhter Borreliose-Titer festgestellt. Dass der Titer ein halbes Jahr später wieder normal war, ist mit Sicherheit nicht die Folge eines Placeboeffektes.
Heilung und Gesundwerden hängt mit Sicherheit auch von der Einstellung des Patienten zu sich, seinem Behandler und den Medikamenten ab. Das ist unabhängig davon, ob der Patient sich naturheilkundlich oder schulmedizinisch Behandeln lässt. Allerdings setzt dies zumindest ein Ich-Bewusstsein voraus. Zum Glück stellt der Mensch zunehmend fest, dass Tiere durchaus ein Ich-Bewustsein haben.. Wobei sich natürlich Frage stellt ob ein Ich-Bewustsein die einzige Vorraussetzung für die Entstehung eines Placeboeffektes ist. Frage: Reicht das schon für einen Placeboeffekt? Das könnte etwas unschlüssig aufgefasst werden.
Die Einschätzung und die Bewertung der menschlichen Umwelt, menschliches Denken sowie medizinisches Verständnis über die Zusammenhänge zwischen der Einnahme von Medikamenten und der Veränderung Ihres Zustandes haben Tiere mit Sicherheit nicht.