Wunder Po macht selten froh

Was tun, wenn Babys Po entzündet ist? / von Dr. med. Sybille Freund
Endlich ist es soweit! Die Schwangerschaft ist vorbei und der kleine Erdenbürger liegt in den Armen seiner Eltern – glücklich und zufrieden. Er oder sie schläft viel, wird gestillt, gewickelt, geknuddelt, beäugt und alle sind froh. So sollte es sein. Manche jungen Eltern machen aber leider ganz andere Erfahrungen. Das Baby schreit und schreit, zieht die Beine zum Bauch, spuckt, kommt nicht zur Ruhe und hat zudem immer wieder einen wunden Po. Die Eltern verzweifeln langsam. Sie können nicht schlafen und wissen irgendwann überhaupt nicht mehr, was los ist: hat das Baby jetzt Hunger? Tut der Bauch weh? Tut der Po weh? Sie tragen es nachts durch die Wohnung, schaukeln es, versuchen, es zu beruhigen, wickeln häufig, föhnen den Po trocken und cremen ihn ein. Stopp! ruft hier der Homöopath!
Warum? Einen wunden Po einzucremen klingt erst mal sehr vernünftig. Es klingt nach Pflege und Schutz. Das kann vielleicht auch mal ganz gut sein, aber man muss einen Blick auf die Inhaltsstoffe der Produkte werfen. Ein Inhaltsstoff, der sehr häufig in Kindercremes enthalten ist, ist Zink. Zink bewirkt auf der Haut, dass Entzündungen ziemlich schnell zurückgehen. Deshalb ist es so beliebt. Was passiert aber nach dem Zurückweichen der Entzündung oder des Ausschlags? Hier ist ein Blick in unsere Materia medica (Zusammenstellung der Arzneimittelwirkungen) hilfreich. Die darin beschriebenen Arzneimittelkenntnisse bekommt man durch Arzneimittelprüfungen (s. Newsletter 14), aus der Toxikologie (Erfahrungen mit den Giftwirkungen der Arzneien) und aus Erfahrungen der täglichen Praxis.
Man findet z. B. in der Materia medica von Julius Mezger: „Zink wurde von früheren Ärztegenerationen viel als Gehirnmittel, besonders bei Nervenkrämpfen verschiedenster Art, verwendet, zum Beispiel bei Chorea, krampfhaftem Schluckauf, Zahnkrämpfen [Krämpfe während der Zahnung], Epilepsie, Asthma bronchiale usw.“
Es wirkt also auf die Nerven und so steht bei Mezger auch über die Arzneimittelprüfung:
„Die Hauptwirkung auf Grund der Feinsymptomatik der Arzneimittelprüfung erstreckt sich in erster Linie auf das Zentralnervensystem. Müdigkeit und Schwäche, verbunden mit Erregung und Unruhe.... Dagegen ist der Schlaf in der Nacht sehr gestört. UNGER schreibt von einer Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus.“

Behandelt man nun einen Ausschlag mit Zinksalbe, kann es – ungünstigenfalls – passieren, dass der Ausschlag zwar verschwindet, die Ursache für den Ausschlag aber weiterhin besteht und jetzt Probleme an anderer Stelle auftreten.
Sehr drastisch ist das bei einem Fall von James Compton-Burnett, einem sehr bekannten Homöopathen, beschrieben:
Ein Kind hatte an der Kopfhaut eine feste schorfige Kruste, das Kind war sehr munter. Es wurde durch einen anderen Arzt mit Zinksalbe am Kopf behandelt, die das Ekzem heilte, 14 Tage später folgte ein Gehirnerguss mit Krämpfen. Es starb. Der Arzt, der der Großvater des Kindes war rief aus: "Oh, diese Zinksalbe!"

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass solche drastischen Fälle passieren, aber in milderer Form sehe ich ähnliche Vorgänge in meiner Praxis. Babies werden mit Zinksalbe behandelt, weil sie einen wunden Po haben und wenn die Wundheit weg ist, gehen die Blähungskoliken los. Und was liest man in der Materia medica? Zincum kann Koliken auslösen, weil es auf die Nerven wirkt. Hier noch mal ein Zitat aus der Materia medica von Mezger zu Zincum:

„Schneidende und krampfende Schmerzen, Kollern und Rumpeln mit reichlichen Blähungen und Auftreibung des Leibs. Stuhl durchfällig oder verstopft. Brennen und Jucken im After. Nervöse Magen-Darm-Störungen oder Magen-Darm-Katarrhe mit nervösen Begleiterscheinungen. Bleikolik.“

Dr. M. B. Desai hat sich intensiv mit diesen Unterdrückungsphänomenen beschäftigt und schreibt, dass es verschiedene Ebenen gibt, auf denen sich eine Unterdrückung niederschlagen kann. Je nach der Arznei, mit der man unterdrückt. Unterdrückt man z.B. einen Hautausschlag mit Schwefel, werden die folgenden Erscheinungen sich eher in der dem Zentrum nächst näheren Ebene, der Schleimhaut, zeigen. Desai:„...wohingegen sich die Unterdrückung mit der Zinksalbe wahrscheinlich auf der Nervenebene bemerkbar machen wird, ohne dass die dazwischen liegenden Ebenen davon berührt werden.“ [Diese Ebenen sind vom Zentrum nach außen: nervöse Ebene, metabolische Ebene, Fasergewebe, Schleimhäute, Haut]

Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Problematik mit der Zinksalbe näher bringen und hinterlasse nicht nur Fragezeichen.
Was sollte Ihre Schlussfolgerung aus diesem Artikel sein? Nun, wenn Sie einen Ausschlag mit Zinksalbe behandeln möchten, wissen Sie, dass es auch andere Erfahrungen zu diesem Thema gibt. Bitte, prüfen Sie die Aussagen, lesen Sie und informieren Sie sich!
Als Alternative für die Behandlung eines wunden Pos sehe ich gute Chancen in einer homöopathischen Behandlung. Zumal gerade bei wundem Po und Blähungskoliken häufig eine ziemlich klare Miasmatik hinter dem Fall zu erkennen ist. Mehr dazu im nächsten Beitrag von Tanja Radigk.