Grassiert - kuriert?

Epidemien und die Homöopathie / von Dr. med. Sybille Freund
Grippe, Vogelgrippe, Masern, Maul-und-Klauen-Seuche.....sie alle beherrschen die Medien, mal mehr, mal weniger. Gerade warnt die Süddeutsche Zeitung: „WHO: Risiko weltweiter Epidemien nimmt zu“. Bald kommt dann auch der Herbst und die jährliche Angst vor Grippeepidemien. Jeder Homöopath denkt bei dem Wort Epidemie gleich an Hahnemanns Erfolge. Er, Chemiker, Mediziner und Apotheker, entdeckte die Homöopathie um 1790 und wurde dadurch bekannt, dass er eine Scharlachepidemie mit Belladonna „in den Griff bekam“. Mit nur einem Mittel? Zeichnet es die Homöopathie nicht gerade aus, dass nicht Krankheiten, sondern Symptome behandelt werden? Muss man nicht für jeden Patienten DAS passende Mittel finden?
Doch! Man muss das passende Mittel für jeden einzelnen Patienten finden, aber interessanterweise stellt man bei epidemieartig verlaufenden Erkrankungen eine Besonderheit fest: Die meisten Patienten zeigen die Symptome von einem Mittel. Ein Beispiel:
Eine Virusepidemie. Alle Patienten haben Husten, Schnupfen, Halsschmerzen o.ä. Fast alle Patienten bekommen von ihren Therapeuten Gelsemium. Sie haben alle unterschiedliche Begleitsymptome (neben Husten und Schnupfen). Der eine ist zittrig, schwach, hat hängende Augenlider (hier passt Gelsemium), der nächste klagt besonders über Schwindel, der sich vom Hinterkopf ausbreitet und über wässrigen, wundmachenden Schnupfen (hier passt Gelsemium auch), ein dritter berichtet, dass er das Gefühl hat, sein Herz bleibt stehen, wenn er sich nicht bewegt (auch hier passt Gelsemium).
Homöopathen sprechen hier vom Genius epidemicus: Bei einer Epidemie passt häufig ein bestimmtes Mittel (aber nicht immer und bei jedem!). Deshalb hatte Hahnemann mit Belladonna bei einer Scharlachepidemie auch großen Erfolg.

Schade war allerdings Folgendes: die Schulmediziner seinerzeit nahmen wahr , dass Hahnemann einen großen Erfolg hatte und wollten den gleichen Erfolg haben. Also gaben sie bei der nächsten Scharlachepidemie wieder Belladonna. Das Problem war nur: der Genius epidemicus (das Hauptmittel also) war ein anderer. Es gab keine Erfolge, Hahnemann wurde zum Scharlatan erklärt.
Wir wissen allerdings glücklicherweise, was hinter seinem Erfolg steckte und können seine Heilmethode anwenden.
Wir wissen auch, dass Hahnemann Choleraepidemien erfolgreich behandelt und viele andere Epidemien von weiteren Homöopathen in Schach gehalten wurden. Infolgedessen fühlen wir uns gut gewappnet, wenn der Herbst kommt und brauchen uns durch panische Artikel in der Presse nicht nervös machen zu lassen.
Ich möchte allerdings noch hinzufügen, dass diese Ängste in den Dritte-Welt-Ländern durchaus berechtigt sind, weil die Menschen dort nicht unseren Lebensstandard haben, der uns die Kraft gibt, Epidemien viel besser zu widerstehen. Doch auch dort leistet die Homöopathie sehr viel, etwa in Südindien, wo es viele homöopathische Therapeuten gibt, die kostengünstig und effektiv behandeln können.