Gesunde Vitamine?

Prophylaxe und ihre Kehrseiten / von Dr. med. Sybille Freund

Zusammen mit Fluor wird Kleinkindern auch gerne Vitamin D gegeben. Man möchte durch dieses Vitamin vermeiden, dass es zu Rachitis kommt. Diese Krankheit äußert sich u.a. dadurch, dass die Knochen weich werden und sich verbiegen. Der gesunde Körper, der ausreichend Tageslicht und regelmäßig Bewegung bekommt, braucht allerdings kein zugeführtes Vitamin D. Er kann es selbst in ausreichender Menge bereitstellen. Weshalb also die Prophylaxe?
Die Vitamin D-Gabe hat historische Gründe: früher gab es relativ viel Kinderarbeit. Die Kinder arbeiteten in Bergwerken und lichtarmen Häusern, sie lebten in dunklen Häusern und hatten häufig Mangelerscheinungen. Da für eine ausreichende Vitamin D-Versorgung des Organismus gute Nahrung, gesunde Bewegung und Tageslicht Voraussetzung sind, erkrankten diese Kinder, die häufig auch noch schwer tragen mussten, an besagten Knochenverbiegungen und anderen Schäden. Mit der Entdeckung der zugrunde liegenden Stoffwechselvorgänge, hatte man „eine Waffe“ zur Hand. Man gab einfach Vitamin D und fühlte sich von nun an sicher.
Nun hat sich viel verändert seit diesen Zeiten. Kinder wachsen in unserem Kulturkreis weit gesünder auf und bräuchten diese Prophylaxe eigentlich nicht.
Gibt es denn keine Rachitis mehr? kann man sich fragen. Es ist in der Tat so, dass es noch Kinder gibt, die an Rachitis erkranken. Es sind seltene Fälle, aber es gibt sie. Diese Patienten haben aber eine miasmatische Belastung, die zu ihren Beschwerden führt. Tauchen die ersten Symptome einer Rachitis trotz günstiger Lebensumstände auf, kann man diese Kinder homöopathisch behandeln und hat möglicherweise gleich noch anderen Problemen vorgebeugt, die mit dieser Belastung zusammen hängen. Gäbe man diesen Kindern Vitamin D, würde man nur einen Mangel ausgleichen, aber die Ursache des Mangels nicht behandeln.
Welche negativen Folgen kann die „Prophylaxe“ haben?
Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin. Alles, was fettlöslich ist, kann der Körper schlecht wieder ausscheiden. Dazu gehören auch die Vitamine E, K und A. Man kann sich die fettlöslichen Vitamine leicht merken mit dem Wort: EDeKA. Da die Ausscheidung fettlöslicher Stoffe ein Problem ist, kann sich Vitamin D also im Körper anreichern und nun auch negative Wirkungen entfalten. Zeichen einer Vitamin-D-Überdosierung wären: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall oder auch Verstopfungen u.ä. Desweiteren kann es aber auch zu Problemen kommen wie Knochenverformungen, Nierenverkalkung, Gefäßveränderungen und zu frühzeitigem Schluss der Wachstumsfugen. Das sind sicher Extremfälle. Man sollte aber die Möglichkeiten kennen, die sich aus einer Maßnahme ergeben können, die eigentlich dem Schutz vor Krankheiten dienen sollte.
Ich denke, man sollte immer abwägen, ob „Althergebrachtes“ noch aktuell ist. Man sollte überlegen, was man an Therapie und Prophylaxe braucht und was nicht. Was man aber auch bedenken soll: neben gesunder Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf ist es enorm wichtig, dass wir unsere Kinder und ihre Entwicklung beobachten. Wir müssen schon noch wahrnehmen, ob die Knochen stabil sind oder nicht, ob die Verdauung gut ist, Appetit vorhanden ist, Bewegungsdrang da ist und vor allem ob sich das Kind wohl fühlt. Dazu gehört auch, dass immer mal ein „Fachmann“ oder eine „Fachfrau“ das Kind ansieht und feststellt, dass es sich normal entwickelt. Der mögliche Verzicht auf die Prophylaxe darf auf keinen Fall dazu führen, dass Entwicklungsstörungen übersehen werden. Das wäre das andere Extrem.