Besondere Kinder

Entwicklungsstörungen und Homöopathie / von HP Tanja Radigk
Die Behandlung von Kindern in der homöopathischen Praxis ist unsere alltägliche Arbeit. Es kommen Neugeborene, Säuglinge und größere Kinder mit sehr unterschiedlichen Leiden. Die Kinder kommen mit akuten und chronischen Beschwerden. Auch entwicklungsverzögerte und behinderte Kinder kommen mit ihren Müttern zur Behandlung. Gerade hier kann man oft gut homöopathisch behandeln oder begleiten. Vielen Müttern ist es noch nicht bewusst, dass man auch angeborene Leiden, Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten homöopathisch behandeln kann (sofern sich der Homöopath mit Kinderheilkunde auskennt). Ich möchte von einem Fall aus meiner Praxis berichten, der in jeder Hinsicht sicher nicht alltäglich ist. (Hier nur die Kurzform der Anamnese )
Im August 2006 kam eine Mutter mit ihrer zwei-jährigen Tochter zur Erstanamnese. Die Mutter erzählte von Verhaltensauffälligkeiten, einer angeborenen Sehschwäche und einer schlechten Sprachentwicklung. Die Kleine sei die meiste Zeit sehr übellaunig und man könne ihr nichts recht machen. Das freie Laufen klappte erst mit 18 Monaten und dann sei sie aber sehr viel gestolpert und gefallen. Die Grob- und Feinmotorik ist schlecht und Essen ohne Hilfe ist völlig unmöglich. Das Kind trug eine Brille und ich beobachtete, dass ihr Verhalten sehr unsicher war (Laufen, Greifen, Kontakt, usw.). Sie nahm nur wenig Kontakt zur Mutter und zu anderen Kindern auf. Ihr Verhalten wurde von der Mutter als abweisend beschrieben und der gesamte Alltag sei extrem schwierig zu meistern. Sie höre nicht auf die Mutter, laufe auf der Straße einfach weg und das Wickeln sei sehr schwierig.
Das Kind brauchte viele Rituale und konnte mit Veränderungen nicht umgehen. Die kleinste Veränderung im Alltag, brachte sie völlig durcheinander und der ganze Tag war im Eimer.
Die Mutter schien am Ende mit ihren Kräften, zumal sie noch ein zweites Kind hat, welches drei Monate alt war.
Das kleine Mädchen sprach nur 5-10 Wörter und diese sehr undeutlich. Der Kinderarzt hatte zu einem Hörtest geraten, welchen ich auch dringend anriet, um eine Hörschwäche auszuschließen.
Ich machte eine vollständige homöopathische Anamnese, die von der Schwangerschaft über die Geburt bis heute reichte. Die Erkrankungen der Familienangehörigen, Impfungen und Kinderkrankheiten wurden ausführlich besprochen.
Während der ganzen Zeit beobachtete ich das Kind und sein Verhalten. Viele ihrer Unsicherheiten lagen bestimmt an der angeborenen Sehschwäche, aber sie schien mir in ihrem gesamten Verhalten einfach anders als andere Kinder. Die Sehschwäche erklärte auch nicht die Sprachentwicklungsverzögerung oder ihren mangelhaften Kontakt zur Umwelt. Nach der Anamnese und der Untersuchung des Kindes riet ich der Mutter zur weiteren Abklärung beim Kinderarzt. Mein Verdacht lag auf einem frühkindlichen Autismus, der bisher vielleicht übersehen wurde. Ich erklärte der Mutter, dass ich nur sicher sein wollte und in diesem komplexen Fall nichts übersehen wollte.
Das Kind bekam ein Arzneimittel von mir und die Mutter sollte sich dann wieder bei mir melden.
Nach 6 Wochen berichtete mir die Mutter, dass die Kleine jetzt 20 Wörter sprach und auch die Verhaltensauffälligkeiten ruhiger geworden sind. Der Hörtest war völlig in Ordnung.
Weitere 6 Wochen später konnte sie 50 Wörter sprechen. Das homöopathische Mittel wurde weiter gegeben. Die Untersuchungen ergaben einen atypischen frühkindlichen Autismus.
Die Eltern und auch das Kind machten jetzt verschiedene zusätzliche Therapien; zur Unterstützung der Entwicklung und auch für ein besseres Miteinander.
Bis November 2008 wurden drei verschiedene homöopathische Mittel eingesetzt. Darunter entwickelte sich das Kind weiterhin gut. Die Sprache kann jetzt als völlig normal und altersentsprechend eingeteilt werden. Die körperliche Entwicklung geht voran und sie tritt mit anderen in Kontakt. Auch völlig fremde Personen und Kinder werden von ihr in Gespräche und Spiele miteinbezogen. Unter der Behandlung ist sie gewachsen und die Motorik hat sich verbessert.
Insgesamt gibt es von der Frühförderungsstelle, dem Kindergarten, Verwandten und Ärzten positive Rückmeldungen. Im März 2009 ist ihr Verhalten von anderen Gleichaltrigen nicht zu unterscheiden und einige Therapien werden eingestellt.

Dies ist nur eines von vielen Beispielen wie Homöopathie die gesunde Entwicklung fördern kann. Man kann nicht immer Wunder erwarten, aber jeder Schritt zählt und eine zusätzliche homöopathische Behandlung lohnt sich.