Wärmen Sie sich mit Kälte!

Das Ähnlichkeitsgesetz mal ganz praktisch / von Dr. med. Sybille Freund
Eines der Grundprinzipien der Homöopathie ist das Ähnlichkeitsgesetz: Ein Stoff, der beim Gesunden bestimmte Symptome hervorruft, kann diese, wenn sie bei einem Kranken auftreten auch heilen.
Dieses Grundprinzip finden wir nicht nur in der Homöopathie. Es ist in vielen Lebensbereichen zu finden. So zum Beispiel in der Küche. Hahnemann postulierte schon, dass man bei Verbrennungen nicht kühlen soll, sondern die verbrannte Hautstelle quasi langsam abkühlen solle. Als Beispiel erwähnt er das „Geheimrezept“ von Köchen, die sich bei Verbrennungen so weit an die Feuerstelle annäherten bis sie es vor Hitze fast nicht mehr aushalten konnten. Ihre Verbrennungen heilten ernorm schnell. Wenn sich also jemand verbrennt, sollte man möglichst warmes Wasser (max. 40°) besorgen und z. B. den verbrannten Finger in ein Glas mit diesem Wasser eintauchen. Dann etwa 20 min. langsam im Wasser abkühlen lassen. Im ersten Moment brennt die verbrannte Stelle stark, dieser Schmerz lässt allerdings sehr schnell nach und ist nach den 20 min. nahezu weg. Dazu kann man durchaus 2 Kügelchen Arnica C 30 nehmen.
Falls Sie jetzt in den Winterurlaub fahren und Ihre Hände sehr kalt werden, kennen Sie sicher die Technik, das man sie mit Schnee abreiben soll, damit sie wieder wärmer werden. Falls Sie stürzen und Sie auf die Knie fallen, werden Sie wahrscheinlich Ihre Hände an die schmerzende Stelle pressen. Und wenn Sie dann frustriert zum Aprés-Ski gehen und zuviel Jagertee trinken, sollten Sie am nächsten Morgen noch mal ein Schlückchen zu sich nehmen, damit die Katerbeschwerden Sie nicht den ganzen Tag ans Bett fesseln.
Das Ähnlichkeitsprinzip ist also in vielen Alltagssituationen zu finden.
Das geht sogar so weit, dass Hahnemann uns Handlungsanweisungen gibt, wie man mit Menschen umgehen soll, die traurig sind, weil sie eine enge Bezugsperson verloren haben oder ähnliche Schicksalsschläge erlitten haben. Im ersten Moment denkt man vielleicht, man sollte sie aufmuntern oder ablenken. Häufig geht dieser Schuss aber nach hinten los. Diese Menschen fühlen sich dann eher unverstanden und allein gelassen. Haben sie allerdings Kontakt zu Personen, die in einer ähnlichen Situation stecken oder ihre Trauer ehrlich nachvollziehen können, geht es ihnen schnell besser. Das ist sicher auch der Grund, weshalb Selbsthilfegruppen gut funktionieren können.
Nochmal zurück zu Ihrem Winterurlaub: Es könnte auch sein, dass Sie einen Sonnenbrand bekommen. In diesem Fall ist ein bewährtes Hausmittel, das auch nach dem Ähnlichkeitsprinzip funktioniert, der Einsatz von Essig. Wenn man Essig unverdünnt auf die Haut aufbringt, ruft er Hautrötungen hervor, die aussehen und brennen wie ein Sonnenbrand. Folglich können Sie bei Sonnenbrand einen Schuss Essig in lauwarmes Wasser geben, ein sauberes Tuch eintunken, ausdrücken und dieses Tuch auf die verbrannte Stelle auflegen. Im ersten Moment wird auch diese Behandlung stark brennen. Wenn Sie dieses Brennen allerdings aushalten und das Tuch liegen lassen, bis sich die Haut beruhig hat, werden Sie am nächsten Tag durch deutlich weniger Schmerzen belohnt werden. Möglicherweise entkommen Sie dann auch dem unerwünschten Abschälen der Haut.

Jetzt aber genug vom Ähnlichkeitsprinzip und genug von unerwünschten Nebenwirkungen des Winterurlaubs. Wir wünschen Ihnen, dass Ihr Urlaub erholsam und schön wird und sie überhaupt nicht an das Ähnlichkeitsgesetz denken müssen!

Dr. med. Sybille Freund ist Vorsitzende der DGMH.